Leserbriefe : Ostteil wird vom Fernverkehr abgekoppelt

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„Milliarden für schlechteren Service“

vom 17. November 2005

Schon seit längerer Zeit verfolge ich in verschiedenen Tageszeitungen die Debatte um die Eröffnung des Hauptbahnhofes im Mai 2006 und die dann anstehende Streichung der Verkehrshalte von Fernzügen im Bahnhof Zoo.

Dass die Entscheidungen der Deutschen Bahn AG nicht auf jedermanns Gefallen treffen, liegt in der Natur der Sache. Eigentlich müssten gerade die Westberliner als schon immer in der kapitalistischen Zone Wohnende in Mark und Blut aufgesogen haben, dass sich Konzerne recht wenig um die Wünsche der Kunden scheren. Das hat der Ostler übrigens auch in der Schule gelernt, und das, obwohl er/sie vierzig Jahre lang von diesem System verschont blieb.

Was mich zunehmend mehr nervt, ist der Egoismus der im Westteil Berlins Wohnenden, die nur den Bahnhof Zoo für sich einklagen. Dabei sind die Distanzen zu den neuen, sich ausschließlich im Westteil Berlins befindenden Bahnhöfen schneller zu überwinden als für die z.B. in Lichtenberg, Marzahn oder Hellersdorf Wohnenden.

In der ganzen Debatte um das Bahnkonzept habe ich keine Stimme vernommen, die mal über den (West-)Tellerrand hinausblickt. In den letzten 15 Jahren vollzog sich fast vollständig die Abkopplung des Ostteils der Stadt vom Fernverkehr. Wie werden denn große Distanzen in den neuen Bundesländern per Zug überwunden? Mit Regionalexpresszügen, die stundenlang unterwegs sind, in jedem Kaff halten und zum Teil auch heute noch mit altem Wagenmaterial fahren (z.B. RE 3 nach Stralsund). Der Bahnhof Lichtenberg wurde mit Millionenaufwand umgebaut. Was gibt es dort heute noch an Fernverkehr? Ein paar lumpige Nachtzüge, ein IC-Paar von und nach Leipzig, einen Früh-ICE, das D-Zug-Paar von und nach Russland und die InterConnex-Züge. Ansonsten ist Fernverkehr Fehlanzeige! Hören Sie jemanden im Ostteil darüber so laut jammern wie die Bahnhof-Zoo-Egoisten?

Frank-Uwe Albrecht, Berlin-Karlshorst

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