Leserbriefe : Polen lieben Johannes Paul II.

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„Land in Trance“ vom 9. April 2005

Ich kenne Menschen in Polen, für die die Verehrung des Papstes nur eine lästige Show ist. Doch müssen diese Menschen das hinter vorgehaltener Hand äußern?

Nein.

Werden Kinder gezwungen, etwas Gutes über den Papst zu sagen?

Nein.

Der Papst wird in Polen wirklich geliebt. Und für die Mehrheit der Polen wäre es im Moment schwer, sich über den Papst nicht äußern zu dürfen.

Wer Polen halbwegs kennt, weiß, dass es mit das Schlimmste für meine Landsleute ist, sich nicht äußern zu dürfen.

War es nicht so, dass die Polen es gewagt haben, den Terror des „Eisernen Vorhanges“ zu bekämpfen?

War es nicht so, dass sie dabei sehr viel aufs Spiel gesetzt haben, um in einer freien Welt zu leben? Wo waren da z.B. die DDR-Bürger damals? Was haben die DDR-Bürger riskiert, um ihre Meinungsfreiheit zu erkämpfen? Nicht viel später haben sie auch ihre Freiheit genießen dürfen, doch erst, als es alle anderen in Osteuropa schon geschafft hatten. War es nicht zuletzt deswegen so, weil es in der DDR fast schon zum Lebensstil gehörte, sich hinter vorgehaltener Hand zu äußern?

In den sechzehn Jahren seit der Wende habe ich das freie Ostdeutschland sehr gut kennen lernen dürfen und es lieb gewonnen. Berlin hat einen besonderen Platz in meinem Leben. Und gerade deshalb verstehe ich heute sehr gut, dass solch ein Kommentar, wie der von Thomas Roser über Polens Papst-Verehrung, eine sehr deutsche Denkweise in sich beherbergt. Sich vor einer Macht beugen, sich einer Autorität verpflichtet fühlen, nicht alle Wut aussprechen (obwohl einem danach zumute ist), das sind urdeutsche Tugenden, auf denen – wenn auch die Deutschen das so nicht sehen mögen – die deutsche Ordnung basiert. Die „sehr polnische“ Tugend hingegen ist der Drang nach persönlicher Freiheit. Dieser Drang ist in der polnischen Bevölkerung so stark, dass er bereits fast wie ein „Chaos-Katalysator“ wirkt. Polen ist chaotisch, weil man äußern darf, was man will.

Pawel Zmuda, Danzig / Gdansk (Polen)

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