Leserbriefe : Politik ist unsozial

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Betrifft: „Senat will KitaGebühren erhöhen“ vom 1. September 2003

Kurz zu unserer Familiensituation: Unsere älteste Tochter besucht seit einer Woche die Vorschule einer evangelischen Schule und hat dort einen Ganztagesplatz ergattert. Für ihre jüngere Schwester (16 Monate) stand am 1. September der erste Tag im Kindergarten an. Ich selbst spiele mit dem Gedanken, wieder halbtags arbeiten zu gehen. Mehr ist bei den Fahrzeiten nicht drin.

Nun lese ich den Artikel über die Erhöhung der Kita-Gebühren. Es ist langsam unerträglich, woran die Regierung, die ja immerhin das Wort „sozial“ in ihrem Namen trägt, sparen möchte. Ich weiß nicht, ob irgendeine der dort maßgeblichen Personen schon mal diesen Stress mit zwei kleinen Kindern und einer Berufstätigkeit der Mutter mitgemacht hat (mein Mann kann wochentags die Kinder-Fahrerei fast nie übernehmen). Tatsache ist, dass von meinem Einkommen kaum schwarze Zahlen für die Familie übrig bleiben werden, wenn man Betreuungskosten der Kinder rechnet, Fahrkosten (Monatskarte), Büro-Kleidung, damit verbundene Reinigung, Einkäufe – nicht bei unterschiedlichen Discountern, sondern im nächstgelegenen Laden. Hinzu kommen permanenter Zeitdruck und unglaubliches Organisationstalent. Mir wird schlecht, wenn ich die tollen Plakate „Kinder und Beruf“ – das „oder“ ist durchgestrichen – sehe. Denn gewollt ist ganz offensichtlich etwas anderes.

Das Ganze ist deshalb umso unerträglicher, weil man den Eindruck hat, ein gewisser Personenkreis nutzt unseren Staat als Selbstbedienungsladen, es scheint alles überall verfilzt zu sein.

Ich schlage übrigens vor, sich neue Gedanken zur Berechnung der Kostenbeteiligung bei den Kita-Gebühren zu machen, denn es kann nicht sein, dass Selbstständige durch einen guten Steuerberater negatives Einkommen vorweisen und somit lächerliche Gebühren zahlen, von „normalen“ Angestellten aber abkassiert wird.

Marina Schmidtchen, Berlin-Lichterfelde

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