Leserbriefe : Quantität ist nicht gleich Qualität

„Patienten sollen selbst wählen – Senat veröffentlicht Statistik: Welche Krankenhäuser operieren wie häufig Krebserkrankungen?“ von Ingo Bach vom 8. Januar

Leider bedarf dieser Artikel – so wichtig er auch ist – im Bereich Prostatakrebs einiger Korrekturen. Grundsätzlich: Fallzahlen besagen alleine noch nichts über die Qualität einer Operation. Kliniken streben hohe Fallzahlen an, um als „erfahren“ zu gelten. Teilweise auf Kosten von Patienten, die übertherapiert werden, die auch ohne eine Operation und bei besserer Lebensqualität sich die schrecklichen Nebenwirkungen wie Inkontinenz und Impotenz erspart hätten. Solange keine Nachverfolgung der Patienten und deren Behandlungserfolge stattfindet, ebenso die Veröffentlichung dieser Daten, behandelt man weiterhin im Dunkeln.

Die Rezidivraten und Nebenwirkungen schwerer Eingriffe sprechen Bände. Es wird Heilung versprochen, aber neue Beschwerden erzeugt. Die im März 2008 beginnende „HAROW“-Studie mit den Daten von 5000 Patienten, wird hoffentlich Aufschluss darüber bringen, wann es überhaupt sinnvoll ist, eine Therapie bei einem Prostatakrebs einzuleiten.

Das Auguste-Viktoria-Klinikum hat die Anzahl seiner Prostatakrebs-Operationen mehr als verdoppelt. Warum ? Wegen einer besseren Qualität am Patienten ? Die Steigerung liegt im Wesentlichen darin begründet, dass ein Teil der Berliner Urologen ihre Patienten vorwiegend an ein bestimmtes Krankenhaus überweisen. Und wie kann ein Patient eine Wahl haben, wenn der Urologe bereits in der Beratung eine bestimmte Klinik als die „beste“ empfiehlt?

Ein Schelm ist, wer schlecht dabei denkt, und meint dies könnte etwas mit einer besonderen Form der Honorierung zu tun haben …

Hanns-Jörg Fiebrandt, Vorsitzender

der Selbsthilfegruppe Prostatakrebs

Berlin, Berlin-Lankwitz

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