Leserbriefe : Schule mit System

„Bei der Bildung irrt Berlin“

von Harald Martenstein vom 21. September

Harald Martenstein hat es mit seiner unnachahmlichen Art auf den Punkt gebracht! Als ehemalige Schöneberger Schulleiterin und inzwischen Großmutter von vier Enkelsöhnen verfolge ich mit größter Besorgnis die Entwicklung des Berliner Schulsystems. Deshalb wird auch in unserer Familie über den Besuch von Privatschulen diskutiert.

Eleonore Raatz, Fichtenwalde

Die Abschaffung der Hauptschule ist zu begrüßen. Es ist aber zu befürchten, dass hier wieder mit heißer Nadel etwas gestrickt wird, dem die personelle und finanzielle Ausstattung fehlen wird. Und die Kinder sind dann die Leidtragenden. Man kann nicht Haupt- und Realschüler einfach zusammenpacken und dann hoffen, dass alles gut wird. Meine Befürchtung ist, dass hier eine neue „Restschule“ entstehen wird, die zu einem noch stärkeren Zulauf zu Gymnasien und privaten Schulen beitragen wird. Diese Entwicklung, gepaart mit den Erfahrungen aus anderen Neuerungen, sorgt bei mir für große Ängste die Zukunft meines Kindes betreffend.

Britta Sommer, Berlin-Friedenau

Offenbar ist Herr Martenstein der Auffassung, dass „lernunwillige und schwierige Schüler“ in ein Ghetto gehören – nicht in eine Schule für alle!

In Deutschland herrscht unter Eltern immer noch die Sorge, dass Schüler mit Lernschwierigkeiten andere Schüler „herunterziehen“ würden. Dabei könnte ja auch einmal jemand auf die Idee kommen, dass leistungsfähige Schüler andere Schüler „heraufziehen“ könnten.

Eltern wollen für ihre Kinder eine optimale Bildung – ist diese immer nur in Eliteschulen oder in solchen möglich, wo ausschließlich Schüler sitzen, die „bildungsnah“ von Eltern erzogen wurden? Wo soll es denn für Schüler aus „bildungsfernen“ Familien eine Chance geben, Erfolg zu finden? Sind die Kinder aus solchen Familien von vornherein ausgeschlossen für einen erfolgreichen Bildungsweg?

Lust an Bildung passiert nicht in einer Gesellschaft, in der schon im ersten Schuljahr die Eltern um den Zugang zum Gymnasium bangen, sondern dann, wenn Eltern und Lehrer gemeinsam versuchen, für alle Schüler optimale Lernbedingungen zu schaffen. Davon scheinen wir noch weit entfernt zu sein.

Alexander Bungard, Berlin-Schöneberg

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