Leserbriefe : Soll doch jeder selbst entscheiden

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„Weniger Rente für Kinderlose?“

vom 17. März 2006

Als kinderloses Ehepaar beglückwünschen wir Johann Eekhoff zu seiner genialen Idee, die Rente von Kinderlosen zu halbieren. Aber warum auf halbem Wege stehen bleiben? Alle Rentner sollten zukünftig nachweisen müssen, dass ihre Kinder, falls vorhanden, im Erwachsenenalter tatsächlich zur Entlastung der Rentenkasse beitragen. So erfolgt eine Halbierung der Rente ebenfalls, wenn die Nachkommen als Beamte, Selbstständige oder im Ausland arbeiten oder überhaupt nicht berufstätig sind und somit nichts in die Rentenkasse einzahlen.

Eine weitere Möglichkeit zur Entlastung der Rentenkasse wäre die direkte Finanzierung der Eltern durch ihre Kinder und die Abschaffung jeglicher staatlich organisierten Altersvorsorge. Soll doch jeder Bürger zukünftig selber entscheiden, ob er beizeiten finanzielle Vorsorge trifft oder sich auf die Mildtätigkeit und Solvenz seiner Kinder verlässt. Johann Eekhoff erweist sich mit seinen Äußerungen als weiterer Vertreter derer, die immer wieder in unerträglicher Weise versuchen, Junge gegen Alte, Gesunde gegen Kranke, Singles gegen Verheiratete, Geringverdiener gegen Besserverdiener und nun auch Kinderreiche gegen Kinderlose aufzuhetzen. Dümmliche Stammtischparolen dieser Art sind dafür verantwortlich, dass die letzten verbliebenen Fundamente unserer Solidargemeinschaft zerstört werden, und dass die viel zitierte deutsche Leitkultur zur Lachnummer verkommt. Übrigens: Sollten aus welchen Gründen auch immer kinderlos Gebliebene einmal eine Gegenrechnung aufmachen darüber, welche sozialen und gesellschaftlichen Leistungen mit ihren Steuern und Versicherungsbeiträgen finanziert werden, die sie aber nie in Anspruch nehmen werden können? Wohl kaum!

Bleibt nur zu hoffen, dass Johann Eekhoff wieder so schnell in der Versenkung verschwindet, wie er aufgetaucht ist.

Achim Siegert-Wilcke,

Berlin-Lichterfelde

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