Leserbriefe : Straßenbeleuchtung ist oft lieblos technisch statt ästhetisch

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„Berlins Laternen wird bald das Gas abgedreht“ vom 14. Juli 2005 und „Gaslaternen unter Strom“ vom 19. Juli 2005

Wie kommt Herr Zeller dazu, ein in Deutschland, vielleicht sogar in Europa, einzigartiges industrielles Denkmal abschaffen zu wollen? Die 44 000 gasbetriebenen Straßenleuchten sind bei den Berlinern nicht nur wegen der Form der historischen Kandelaber beliebt, sondern auch wegen ihres warmen Lichts, das von keinem Elektroleuchtentyp erreicht wird. Ich erinnere daran, dass im früheren WestBerlin in den 60er und 70er Jahren Gaslichtanlagen demontiert worden sind, jedoch die Proteste seitens der Bürgerschaft immer größer wurden. Schließlich stellte man diese Umrüstaktionen ein, das Abgeordnetenhaus beschloss: Die Berliner Gasleuchten werden, so wie sie sind, erhalten, weil sie stadtbildprägend sind und ein einzigartiges industrietechnisches Denkmal darstellen. Dass viele Leuchten recht häufig defekt sind, liegt wohl eher daran, dass man vor einigen Jahren die Stadtbeleuchtung privatisiert hat. Eine Elektrofirma bekam den Zuschlag. Seitdem häufen sich die Beschwerden über defekte Lampen. Die Elektrofirma bekam die Wartung der Gasleuchten nicht auf die Reihe.

Bettina Grimm, Blankenfelde

Alle paar Jahre wird der Versuch gestartet, unsere Berliner Gasbeleuchtung abzuschaffen. Mehrere Male schon hat das Berliner Abgeordnetenhaus darüber beraten und auch Beschlüsse gefasst: Die Gaslaternen, die so unverwechselbar für Berlin sind, sollen als stadtbildtypisch erhalten bleiben. Wo bleibt der Denkmalschutz? Soll so lange abgestimmt werden, bis die Gaslichtgegner endlich am Ziel sind? Ein merkwürdiges Demokratieverständnis. Nicht zuletzt sorgte erheblicher Widerstand der Bevölkerung dafür, dass unsere Straßenlaternen bis heute erhalten geblieben sind. Jetzt aber geht es wieder los. Angeblich werden Millionen Euro durch die Umstellung eingespart. Fachleute rechnen aber mit mindestens 130 Millionen Euro Kosten. Einmal will man die Laternen lediglich umrüsten und die äußere Erscheinung beibehalten, dann aber sind angeblich fast alle Masten verrostet und nicht mehr standsicher. Die angebliche Umweltbelastung ist ein Witz! Man wird das Gefühl nicht los, dass hier gezielt versucht wird, die Berliner für dumm zu verkaufen. Die Gasleuchten gehören in sachkundige Hände, nicht in die eines Stromkonzerns.

Joachim Raetzer, Berlin-Tempelhof

Stadtbeleuchtung ist nun einmal eine ganze Menge mehr als lediglich eine Ausleuchtung der Straßenräume bei Dunkelheit. Da kommt es sehr stark auch auf die Qualität an – und die lässt sich nun nicht einmal nur in Lux messen. Die Gasbeleuchtung in vielen Berliner Stadtteilen (wo es sie noch gibt) prägt diese Straßenräume auf besondere, inzwischen nahezu einmalige Art und Weise. Diese Qualität lässt sich nicht ohne weiteres durch andere Beleuchtungsformen ersetzen. Und für den Fall, dass es in einer solchen Straße tatsächlich zu dunkel ist, gibt es ein ganz einfaches Mittel, welches auch hier und dort angewendet wurde: Einfach noch ein paar zusätzliche Gaslaternen aufstellen. Das ist relativ einfach umsetzbar und nicht wirklich so teuer. Was in dieser Stadt fehlt, ist ein vernünftiges Beleuchtungskonzept (was es in vielen Städten gibt und mit Konsequenz umgesetzt wird). In Berlin hat man nicht das Gefühl, dass diesem Thema wirklich viel Aufmerksamkeit gewidmet wird. Bei vielen Bereichen, die in den letzten Jahren neu gestaltet wurden, hat man sich nicht allzu viel Gedanken gemacht hat, wie das Ganze nachts wirkt. Die Beleuchtung scheint da einfach lieblos und bestenfalls nach irgendwelchen technischen Vorgaben errichtet worden zu sein, statt auch nach ästhetischen Kriterien.

Ingolf Berger, Berlin-Prenzlauer-Berg

In dem Artikel wird überwiegend auf die Kostensituation im Vergleich zu elektrischen Laternen eingegangen, nicht aber auf die Verschlechterung für den Nutzer. Hier in Frohnau ist dieser Vergleich, da beide Ausführungen aufgestellt wurden, deutlich sichtbar. Die Gaslaternen in herkömmlicher Ausführung, am Straßenrand auf dem Bürgersteig aufgestellt, leuchten mit gleicher Intensität den Bürgersteig als auch den Fahrweg aus. Die elektrischen Beleuchtungen sind auf Peitschenmasten montiert und leuchten hauptsächlich den Fahrweg für die Kraftfahrzeuge aus, die ja ohnehin mit eigenen Lampen für die Dunkelheit ausgerüstet sind. Der Bürger auf seinem Weg muss dann am Abend mit einem Minimum an Licht zu seinem Ziel finden. Sparen an der Beleuchtung sollte nicht zu einer Verschlechterung für den Bürger, wenn nicht sogar zu einer Gefährdung, führen.

Dietrich Drews, Berlin-Frohnau

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