Leserbriefe : STRASSENREINIGUNGSGEBÜHREN Fegt die BSR zu selten?

Unsere Leserin Kriemhild Graeber vermutet, dass die Stadtreiniger deshalb zu viel Gebühren kassierten, weil sie ihre Aufgaben nicht erfüllen. Der BSR-Chef antwortet.

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Betrifft: Der BSRSkandal um die zu viel kassierten Gebühren für die Straßenreinigung

Mit Erstaunen nimmt man zur Kenntnis, dass die Berliner Stadtreinigungsbetriebe bislang zu hohe Gebühren für die Straßenreinigung erhoben haben sollen. Für uns als Straßenanlieger gibt es dafür jedoch eine simple Erklärung. Da zum Beispiel in unserer Straße nicht – wie eigentlich vereinbart – einmal wöchentlich gefegt wurde, sondern die Abstände der Reinigung vier bis sechs Wochen betrugen, musste es ja wohl in der Kasse der BSR einen Überschuss geben.

Seit Jahren wird zudem das Herbstlaub nur zögerlich abgefahren, die Gullys sind verstopft und verursachen für die Wasserwerke zusätzliche, eigentlich unnötige Arbeit.

Kriemhild Graeber,Berlin-Lichterfelde West

Sehr verehrte Frau Graeber,

für den Irrtum bei den Reinigungsgebühren entschuldigen wir uns noch einmal in aller Form. Wir werden das Geld bis auf den letzten Cent zurückzahlen. So sehr wir den Fehler auch bedauern, so hat er doch absolut nichts mit nicht erbrachter Leistung zu tun.

Aufgrund Ihrer Beschwerde über die Reinigung Ihrer Straße haben wir die letzten vier Monate betrachtet und festgestellt, dass seit Anfang August regelmäßig einmal pro Woche gereinigt wurde. In der Regel kommen die Männer in Orange Mittwochs bei Ihnen vorbei. Am 29. August und am 19. September haben wir Ihre Straße Donnerstags gereinigt. Das kann auch schon sehr früh sein, da die Straßenreiniger schon um 5 Uhr in der Früh mit der Arbeit beginnen. Vielleicht haben Sie die Kollegen nicht gesehen.

Bei der regulären Reinigung fegt ein Mitarbeiter den Straßenkehricht zusammen. Im Laubeinsatz wäre die Laubbeseitigung von einem Mitarbeiter jedoch nicht zu bewältigen. Deshalb ziehen wir mehrere Mitarbeiter zu einer „komplexen Reinigung“ zusammen, um das Laub möglichst schnell aufzufegen. Logischerweise können diese Mitarbeiter nicht gleichzeitig in anderen Straßen kehren. Der Laubeinsatz hat Vorrang vor der regulären Gehwegreinigung. Am 6. November haben wir in einer Komplexreinigung das Laub in Ihrer Straße zusammengefegt. Zwischen dem 7. und dem 27. Oktober und in der letzten Woche am 13. November wurde in Ihrer Straße - aufgrund des Laubeinsatzes in anderen Straßen - nicht gereinigt.

In diesem Jahr haben wir über den Laubeinsatz für 410 000 Straßenbäume hinaus Sondereinsätze gefahren, um das Kastanienlaub aus Schulen und Kindergärten einzusammeln. Da hat allein der Betriebshof, der in Ihrer Straße reinigt, 150 Kubikmeter Laub zusätzlich abgefahren, um der Miniermotte zuleibe zu rücken. Die Kastanienlaubsammlung in Berlin ist noch nicht abgeschlossen. Wir schätzen aus heutiger Sicht, dass wir allein mit den Sondereinsätzen insgesamt 1600 Kubikmeter Laub zusätzlich abfahren.

Keine Stadt in Europa hat so viele Straßenbäume wie Berlin. Da kommt einiges an Laub zusammen: Wir haben für die Laubsammlung in der gesamten Stadt 1300 Männer auf der Straße im Einsatz, die mit 400 Fahrzeugen in zwei Schichten das Laub abfahren. In jedem Jahr bringen wir zwischen Oktober und Dezember 90 000 Kubikmeter Laub – das sind mehr als 2300 Güterwaggons – in die Kompostierungsanlage.

Die Reinigung der Schlammfänge in den Gullys ist auch eine Aufgabe der BSR und nicht der Wasserbetriebe. Problem bei der Gullyreinigung ist allerdings nicht das Laub, sondern es sind die parkenden Autos, die den Zugang zu den Gullys versperren.

Ich hoffe, dass Sie Verständnis für den Laubeinsatz in der Stadt aufbringen, auch wenn Ihre Straße in dieser Zeit weniger häufig gereinigt wird, als Sie es von uns gewohnt sind.

Prof. Dr. Peter von Dierkes

Vorstandsvorsitzender

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