Leserbriefe : Undurchsichtige Rolle

„Wer ist Verena Becker?“

von Frank Bachner vom 6. September

In dem Artikel vermisse ich den Hinweis auf einen von Verena Beckers ehemaligen Weggefährten, den Studenten Ulrich Schmücker aus Bad Neuenahr. Er schloss sich ebenfalls der „Bewegung 2. Juni“ an, arbeitete ab einem bestimmten Zeitpunkt für den Berliner Verfassungsschutz und wurde am 5. Juni 1974 ermordet im Grunewald aufgefunden. Der bis heute ungeklärte Fall Schmücker liefert in eklatanter Weise ein Beispiel dafür, welch undurchsichtige Rolle der Verfassungsschutz in unserem Staate spielen kann.

Die vermeintlichen Mörder von Schmücker wurden innerhalb von zwölf Jahren dreimal verurteilt und dieses Urteil wurde vom Bundesverfassungsgericht dreimal wieder aufgehoben, ein Novum in westdeutscher Nachkriegsjustiz. Der vierte Prozess schließlich wurde eingestellt und die Angeklagten erhielten Haftentschädigung mit der Begründung im Urteil, dass die Unmöglichkeit der Aufklärung bestünde, weil das Gericht zu der Überzeugung gelangt wäre, dass der Berliner Verfassungsschutz am Tod von Schmücker beteiligt war. 1991 musste der Verfassungsschutz eingestehen, dass er die Tatwaffe im Tresor aufbewahrte und trotz richterlicher Anordnung im Prozess nicht herausgegeben hatte.

Michael Mohr, Köln

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