Leserbriefe : Urteil unwichtig

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Betrifft: „Der Henker und sein Richter“ vom 18. Dezember 2003

Wenn man den Aussagen von Herrn Martenstein folgt, wäre die Hinrichtung eines großen Teils der bis 1945 amtierenden deutschen Reichsregierung völkerrechtswidrig gewesen. Denn es waren ja überwiegend demokratische Staaten, die damals die Richter stellten. Und der Prozess war öffentlich und fair. Die Richter haben keine Befehle empfangen und hörten beide Seiten. Alles, was Herr Martenstein fordert, wurde damals erfüllt. Und trotzdem verurteilte das internationale Kriegsverbrechertribunal den größten Teil der Angeklagten zum Tode und ließ die Urteile vollstrecken.

Galten damals andere Maßstäbe, weil es sich um deutsche Kriegsverbrecher handelte? Der Prozess gegen Saddam Hussein kann ein historischer Moment werden. Wichtiger als das Ergebnis aber ist das Verfahren. Noch nie musste sich ein arabischer Despot vor einem Gericht verantworten. Es käme einer Revolution gleich, wenn „Al Dschasira“ detailliert über die Verbrechen der BaathDiktatur berichten würde. Wenn die Geschundenen öffentlich von ihrem Leid erzählten. Sollte diese Aussicht die Europäer nicht stärker bewegen als die Frage, was aus Saddam Hussein wird?

Klaus Golze, Berlin-Spandau

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