Leserbriefe : Von Haus aus gebildet

„Wenn der Staat Bildung bestraft – Privater Heimunterricht darf nicht länger kriminalisiert werden“ vom 22. Januar

Der Autor des Artikels, ein Professor für systematische Pädagogik, geriert sich als Freiheitskämpfer für das Recht auf nichtsstaatliche Bildung, sprich „Hausunterricht" bzw. „homeschooling". Er beruft sich dabei auf vermeintliche Erfolge privater „Prinzenerziehung" in früheren Jahren, polemisiert gegen die Schulpflicht (Untertanenerziehung in Preußen) und übt rigide Pauschalkritik gegen die öffentliche Schule (Standardisierung, drakonische Disziplinierung, Ignorieren besonderer Interessen und Fähigkeiten sowie des Lerntempos, Massenbetrieb mit Vandalismus), um dann zu betonen: „Es ist wunderbar, dass der Staat sich um die sorgt, die die Bildung ihrer Kinder nicht aus eigener Kraft sichern können." Angesichts der zuvor beklagten Defizite ist das zynisch und arrogant; aber mit der rhetorischen Abschlussfrage wird dann doch wieder die Schule für alle in den Blick gerückt: „Vielleicht wäre es einfach möglich, die staatlichen Schulen so gut zu machen, dass niemand nach Alternativen sucht". Zweifellos kann es einzelne Lebenssituationen geben, in denen - wenn die Voraussetzungen gegeben sind - homeschooling Sinn macht. Mir scheint es jedoch sinnvoller, bei diesem Thema der Frage nachzugehen, wie die Kooperation zwischen Schule und Eltern ggf. auf der Grundlage subsidiärer Angebote verbessert werden kann.

Eberhard Welz, Berlin-Steglitz

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