Leserbriefe : Was nicht Schule machen sollte

Senat bleibt hart: Junglehrer werden nicht verbeamtet" von Susanne Vieth-Entus vom 3. Februar und "Wowereit will Gehälter für Lehrer deckeln" vom 4. Februar

Es war vor allem Wowereit, der ein Abgehen von der bundeseinheitlichen Beamtenbesoldung verlangte und schließlich 2006 Erfolg hatte. Wer die damaligen Diskussionen liest, wird genug Warnungen vor Abwerbungen lesen.

Hans-Jörg Stein, Berlin-Mariendorf

Berlin hat mit das beste Ausbildungssystem für junge Lehrer in Deutschland und sieht gleichsam tatenlos zu, wie andere Bundesländer davon profitieren. Sie profitieren, weil es ihnen nicht an Mut fehlt, sie die Zeichen der Zeit erkannt haben und wie es sich für am Wohl der Allgemeinheit orientierte Politiker geziemt klug, weitsichtig, pragmatisch und ideologiefrei handeln. Wenn dem Berliner Senat dann nur "das Deckeln von Lehrergehältern" einfällt, dürfte das auf die Betroffenen zynisch wirken, hat doch Berlin einseitig den Deckel gesenkt und nicht die anderen Bundesländer ihn angehoben.
Noch verheerender als die finanzielle Schlechterstellung der Junglehrer ist die Art und Weise wie mit den jungen Menschen umgegangen wird. In anderen Bundesländern wird ihnen signalisiert, dass man sich über ihr Kommen freut, sie werden freundlich und unterstützend aufgenommen. Meine Heimatstadt Berlin vermittelt die Botschaft an die jungen Menschen, dass Ihnen die Abwanderung gleichgültig ist und behandelt sie als lästige Bittsteller, als Kostenfaktor.
In den letzten zehn Jahren mussten wir mit ansehen, wie eine hohe Anzahl hervorragender Referendare nach dem Einser-Examen der Stadt den Rücken kehren mussten, nicht weil sie unbedingt weg wollten, sondern weil ihnen hier keine Perspektive eröffnet wurde. Ein Land, das nicht mal den besten Nachwuchs hält, kann nur mit Kopfschütteln bedacht werden. Das ist auch nicht mit einigen administrativen Maßnahmen zu beheben, hier ist grundsätzliches Umdenken, ja Mentalitätswandel erforderlich. Es ist bitter, mit ansehen zu müssen, dass "Bread and Butter" wichtiger zu sein scheinen als "Lohn und Brot" für unsere Kinder!

Harald Mier, Ehrenvorsitzender der Vereinigung der Oberstudiendirektoren des Landes Berlin, Berlin-Lichterfelde

Bei vielen Äußerungen zur Berliner Schulsituation kann man annehmen, dass sich die Äußernden nie jemals die Mühe gemacht haben, wirklich inhaltsreich zu recherchieren, was in den Grundschulen abgeht. Hausmeister sind überfordert, das Problem wird auf die Lehrer abgewälzt. Technik wird totgespart, das Problem bleibt bei den Lehrern. Die Verwaltung beschließt nicht genügend durchorganisierte Reformen. Personal wird dafür nicht zur Verfügung gestellt. Jahrgangsübergreifendes Lehren und Lernen - Lehrer werden ohne Schulungen und ohne jegliche entsprechende Ausstattung vor die Problematik dieser Reform gestellt.
Äußerungen zu Problemen der Reformen von Herrn Zöllner, Herrn Körting und nicht zuletzt Herrn Sarrazin wiegeln ab und sind nur für die Galerie bestimmt. Renovierungs- und Ausstattungsleistungen in den Klassenräumen werden durch Eltern finanziert. Das gestärkte Mitspracherecht für Eltern (gerade durch die Verwaltung neu eingeführt) beim Schulbeginn, z. B. für noch nicht schulfähige fünfjährige Kinder, wird über den Rat des Schulpsychologen gestellt, die hieraus resultierenden Probleme für Mitschüler und den Unterricht haben primär Lehrer auszubaden. Nicht zuletzt hat ein völlig ungerechtes Bezahlungssystem dazu geführt, dass (bei gleicher Ausbildung und Leistung) beamtete Lehrer und aufgrund - wen wundert es - zunehmenden Lehrermangels neu eingestellte Lehrer, weit besser bezahlt werden, als die Lehrer, welche zum Beispiel in den Jahren 2005 bis Mitte 2008 eingestellt wurden.
Dieses schulpolitische und verwaltungstechnische Desaster hat der Senat in vollem Umfang zu verantworten.

Günter Krug, Berlin-Märkisches Viertel

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