Leserbriefe : Weiße Flecken im Auswärtigen Amt

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„Auswärtiges Gedenken“

vom 3. April 2005

Zu dem Leitartikel ist mir spontan ein Vorgang aus dem Widerstand gegen Hitler und das NSRegime eingefallen: Einer der führenden Köpfe des Widerstandes war Adam von Trott zu Solz. Auf Grund seiner Auslandsstudien war er befähigt, den Widerstand im Ausland, besonders in England, den USA und der Schweiz bekannt zu machen. Das ging aber nur, indem er zum Schein der NSDAP beitrat und dadurch in das Auswärtige Amt (AA) kam, zuletzt als Legationsrat. Im AA gab es Herren, die seine konspirativen Reisen deckten. Er war genötigt, ein Doppelspiel zu spielen, weswegen er bei den Alliierten teilweise als Spion angesehen wurde. Ausführlich stellt das die Biographie von Henric L. Wuermeling „Doppelspiel“ (2004) dar.

Klaus Buchholtz, Göttingen

Leider setzt sich Hermann Rudolph nicht mit dem Umstand auseinander, dass das Auswärtige Amt im Dritten Reich an der Realisierung der „Endlösung der Judenfrage“ mitgewirkt hat. Es geht also um mehr als um „frühe Sündenfälle“ und „braune Flecken“, wenn die Vergangenheit von NS-Diplomaten angesprochen wird.

Rudolf Schwinn, Bonn

„Einmal Nazi – immer Nazi?“

vom 3. April 2005

Hier taucht die Mär vom „einfachen Parteimitglied“ wieder auf. Wer bis 1936 in die NSDAP eintrat, tat es freiwillig. Erst ab 1936 wurde der Parteieintritt Pflicht für Mitglieder des Auswärtigen Amtes. Da wurden schon seit einem Jahr Kriegsvorbereitungen getroffen, die Nürnberger Gesetze waren schon erlassen. Auch hier entschied sich der Mensch, ob er diesem Regime dienen wolle oder nicht. Die Opfer des Regimes hatten keine sechzig Jahre „danach“.

Das Schlimme und nicht Hinnehmbare an dieser Diskussion ist für mich, dass die Auseinandersetzung, wie sie zurzeit geführt wird, an der Sache vorbeigeht, nämlich, dass bis heute keine bundesrepublikanische Regierung die Geschichte des Auswärtigen Amtes und seiner Mitarbeiter von 1933 bis 1945 erarbeitet hat.

Beate Niemann, Berlin-Zehlendorf

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