Leserbriefe : Wer gesund isst, hat schlechte Zähne

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Zum Interview mit dem Ernährungswissenschaftler Udo Pollmer vom 11. Mai 2007

Ich kann gar nicht genau sagen, ob ich über das Interview lachen oder weinen soll, so haarsträubend war das, was ich zu lesen bekam: Wenn Kinder statt Zucker und Fette mehr Obst und Gemüse essen würden, bekämen sie Essstörungen? Ach ja? Da habe ich als Mutter in den letzten Jahren leider gänzlich versagt. Und wer sich nach dem Essen auch noch die Zähne putze, behindere deren Remineralisierung? Am besten putzt man sie dann wohl gar nicht mehr, damit sie sich über Nacht in aller Ruhe remineralisieren können. Laut Herrn Pollmer haben gesund ernährte Menschen ja sowieso die schlechteren Zähne. Und er meint auch (vielleicht mit Blick auf die eigene Waage?), dass Menschen mit Übergewicht keinen Diätplan bräuchten, sondern eine Diagnose. Die meisten von ihnen hätten nämlich hormonelle Störungen oder wären von heimtückischen Viren und Bazillen befallen. Davon hätten die meisten Ärzte nur noch nie was gehört. Wie gut, dass Herr Pollmer so gut Bescheid weiß und uns rät, nicht joggen zu gehen, sondern lieber (gemütlich auf der Couch liegend?) ein – oder meint er gar sein – Fachbuch zum Thema Übergewicht zu lesen. Na, so ein Zufall, dass das zur Sprache kommt.

Was für Werte vermittelt Herr Pollmer? Was will er jedem fünften deutschen Kind mitteilen? Dass Dicke eine höhere Lebenserwartung haben? Das behauptet er tatsächlich, und ich kann nur traurig den Kopf schütteln. ich werde meinen Kindern weiterhin Obst und Gemüse zu essen geben. Bei einem Gastroenterologen war ich mit ihnen übrigens noch nie. Ich werde meine Kinder weiterhin viel draußen toben lassen und ihnen sagen, dass sie sich nach dem Essen die Zähne putzen sollen. Und ich werde ihnen auch sagen, dass sie sich von einem „Ernährungswissenschaftler“ aus Gemmingen keine Fünfziger-Jahre-Märchen erzählen lassen sollen.

Tanja Wekwerth, Hohen Neuendorf

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