Leserbriefe : Zu milde geurteilt

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Zur Berichterstattung über den Prozess

gegen Peter Hartz

Was haben wir im Jahre 2006 nicht schon alles hingenommen. Zwei bedeutende Prozesse, bei denen es um große Schadenssummen ging: der sogenannte Bankenskandal in Berlin und der Mannesmannprozess um Herrn Ackermann von der Deutschen Bank. Und nun zum Jahresbeginn der Prozess um den ehemaligen Personalchef von VW, Peter Hartz. Die Ergebnisse standen in keinem Verhältnis zu dem Schaden, um den es ging, und konnten von den Herren aus der Portokasse bezahlt werden. Bei Peter Hartz ist der Strafsatz vorher abgesprochen. Hatte es hier überhaupt je ein schlechtes Gewissen bei den Beteiligten gegeben? Hier liegt meiner Meinung nach das Problem. Es scheint, als habe es mit dem Beginn der Globalisierung eine progressive Auflösung von Gewissensnormen gegeben, als lebten wir zunehmend in einer Welt, in der herkömmliche moralische Werte obsolet geworden sind. Mit dem Wegfall der nationalen Gebundenheit der Betriebe ist auch die nationale soziale Verpflichtung verloren gegangen und damit auch eine Reduktion etwaigen Schuldbewusstseins.

Neues ist in den letzten Jahren zu beobachten. Nachdem in den großen Konzernen die soziale Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft schon lange verloren gegangen ist, scheint jetzt auch die Verantwortung gegenüber den Auftraggebern, den Aktionären abhanden gekommen zu sein. Wie kann es in einer Demokratie zu höchstrichterlichen Entscheidungen kommen, die solche Prozessverläufe, solche milden Urteile und außergerichtliche Vergleiche möglich machen?

Dr. Gerda Neumann, Berlin-Frohnau

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