Leserbriefe : Zum Fürchten

Zum Interview mit Alexander Dibelius, Deutschland-Chef der Investmentbank

Goldman Sachs

Dass sich Preise auf Grund von Angebot und Nachfrage entwickeln, ist normal und hinnehmbar, weil auch damit Gegenbewegungen entstehen, die von großem Nutzen sein können (z. B. andere Energieformen entwickeln, Kunstdünger einsetzen, Konkurrenz fördern, etc.). Wenn aber durch Spekulationen am Finanzmarkt Preise für Grundnahrungsmittel und Energie, also Dinge, die lebensnotwendig sind, in Höhen schnellen, die Leben bedrohen und auch das Wirtschaftswachstum nachhaltig gefährden, kann man schon Angst bekommen, gerade weil auch nun nicht mehr wirklich erkennbar ist, ob und in welcher Höhe tatsächlich Knappheit besteht. Natürlich spekulieren Investmentbanken mit dem Geld der Anleger, sie müssen ja Gewinne machen, sonst werden sie abgestraft. Und natürlich tummeln sie sich auch auf dem Rohstoffmarkt, wenn er denn Spekulationsgewinne verspricht. Da der normale Anleger Angst vor Aktien hat, überlässt er die Investitionsentscheidungen den Investmentbanken. Und die haben eine nicht zu unterschätzende Bedeutung bekommen, dass sie selbstverständlich Preisentwicklungen beeinflussen können. Man kann sie durchaus aufgrund ihrer Größe und Macht als Monster bezeichnen.

Ich denke, dass hier nur ein weltweiter Konsens Abhilfe schaffen könnte, der durch die Regierungen erreicht werden müsste. Denkbar wäre, Spekulationsgewinne mit bestimmten Wirtschaftsgütern weltweit hoch, z. B. mit 80 bis 90 Prozent, zu besteuern, also so hoch, dass es für die Spekulanten uninteressant wird. Genauso wie man versucht, global die Wale zu schützen, könnte man auch bestimmte Spekulationsformen weltweit verbieten. Ich fürchte aber, dass es nicht funktionieren wird, denn leider geht die Vernunft unter, wenn viel Geld im Spiel ist.

Was Herr Dibelius vorschlägt, ist leider typisch: Die Spekulationsgewinne sollen bei den Händlern am Finanzmarkt bleiben und die sozialen Segnungen für die Armen sollen die Regierungen erledigen, sprich der Steuerzahler, die Gewinne werden privatisiert und die Kosten sozialisiert. Sonst würde man sich von der Marktwirtschaft verabschieden.

Und wo bleibt da der soziale Teil der Marktwirtschaft? Früher, viel früher, haben reiche Unternehmer mit einem großen Teil ihrer Gewinne wohltätige Zwecke finanziert. Das gibt es heute nur noch selten. Wenn wir aber einfach so weitermachen, wird es heftige Unruhen und Krisen geben, und davor kann man sich wirklich fürchten.

Friederike Neiss-Barz,

Berlin-Charlottenburg

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