Meinung : „Manche neigen dazu, …

Alfons Frese

… Realitäten zu leugnen.“

Die warmen Worte des großen Freundes wurden ihm mit der Zeit doch zu viel. Immer wieder hatte Gerhard Schröder in den jüngsten Jahren der IG Metall und Verdi die IG Chemie als Vorbild empfohlen. Weil die Chemiegewerkschaft modern sei, mit ihren Tarifabschlüssen die Betriebe nicht überfordere, die Politik des Kanzlers verstehe und schließlich von einem Arbeitnehmer-Manager und keinem Klassenkampf- Funktionär geführt werde. Hubertus Schmoldt eben. Der Bundeskanzler und der Chef der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IB BCE) sind seit langem gute Freunde. 1998 ließ sich Schröder nach dem Wahlsieg als Erstes auf einem Gewerkschaftstag der IG BCE in Duisburg blicken; er stand bei Schmoldt im Wort. Und dieser folgte ihm auf den verschlungenen Pfaden der Sozialpolitik auch dann noch, als sich die Rabauken Frank Bsirske (Verdi) und Jürgen Peters (IG Metall) schon lange in die Büsche geschlagen hatten.

Neben den beiden Großgewerkschaften mit jeweils rund 2,5 Millionen Mitgliedern hat Schmoldt seiner IG BCE mit ihren 775000 Mitgliedern einen vergleichsweise großen Einfluss gesichert. Nicht nur wegen des guten Verhältnisses zum Regierungschef. 1995 übernahm Schmoldt den Chefposten bei den Chemikern von Hermann Rappe. Rappe, von Statur, Durchsetzungskraft, autoritärem Gehabe und Trinkfestigkeit vergleichbar mit dem ÖTV-Führer Heinz Kluncker, hatte sich Schmoldt als Nachfolger aufgezogen.

1945 in Posen geboren, wuchs Schmoldt im niedersächsischen Walsrode auf. Er lernte Maschinenschlosser und gehörte als Student an der Hochschule für Wirtschaft und Politik dem Sozialistischen Studentenbund an. Später war vom Sozialismus keine Spur mehr. Kein anderer Gewerkschaftsführer pflegt im Rahmen der Sozialpartnerschaft das Konsensmodell so erfolgreich wie Hubertus Schmoldt. Was ihm auch Häme vor allem von der IG Metall einbrachte, die ihn als Trittbrettfahrer betrachtete: Die IG Metall kämpft Tarifabschlüsse durch, an denen sich dann die Chemiegewerkschaft kampflos orientieren kann.

Mit seiner Unterstützung für Schröder stellt sich Schmoldt bewusst gegen die großen Gewerkschaftsbosse. Und attackiert diese, weil sie „auf Verweigerung und Blockieren“ setzten und dabei „veränderte Realitäten leugnen“. Deutlicher kann man die Differenzen im Gewerkschaftslager nicht auf den Begriff bringen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben