Martenstein : Ich bin dann mal bei Manfred

Hat der umstrittene Eventmanager Manfred Schmidt sein Spinnennetz denn über ganz Deutschland gespannt? Sogar Hape Kerkeling hat mehrere seiner Partys besucht, berichtet Harald Martenstein.

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Unser Autor Harald Martenstein.
Unser Autor Harald Martenstein.Foto: ddp

Es reicht jetzt irgendwie mit dem Eventmanager Manfred Schmidt. Hat der Eventmanager Schmidt sein Spinnennetz denn über ganz Deutschland gespannt? Wenigstens im Buchwesen, dachte ich, spielt der Eventmanager Schmidt keine Rolle. Autoren werden sowieso ständig eingeladen.

Auf der Leipziger Buchmesse wurde ein neuer Ratgeber für Mütter präsentiert. Er ist von Katrin Tempel und heißt „Stillst du noch oder lebst du schon?“. Für das, was vor einer Schwangerschaft üblicherweise geschieht, gibt es den Ratgeber von Beatrice Poschenrieder, er heißt „Stöhnst du noch oder kommst du schon? Der sichere Weg zum Orgasmus“. Wenn man aber noch weiter in der Genese einer zwischenmenschlichen Beziehung zurückgeht, stößt man unweigerlich auf den Roman von Alexandra Potter und Stefanie Retterbush, Titel: „Träumst du noch oder küsst du schon?“, eine Alternative stellt das neue Werk von Rebecca Fischer dar, „Lügst du noch oder küsst du schon?“. Der Liebesroman von Katie MacAllister, „Küsst du noch oder beißt du schon?“ ist etwas für Leute mit speziellen Vorlieben. Wer aber denkt, das Werk „Denkst du noch oder war’s das schon?“ handele von einem unentschlossenen Liebhaber, dem sei gesagt: Es ist ein Buch über Gehirntraining.

Im deutschen Verlagswesen ist seit ein paar Jahren ein Konzentrationsprozess im Gang. Alle Verlage konzentrieren sich auf zwei Titelideen. Die erste stammt von Ikea. Ein Gesundheitsratgeber des Südwest-Verlags heißt: „Lebst du noch oder stirbst du schon?“. Eine Klageschrift über die Sünden der Pharmaindustrie kann natürlich nur heißen: „Bist du noch Opfer oder vergibst du schon?“. Der Ratgeber „Quakst du noch oder fliegst du schon?“ scheint vogelkundlichen Inhalts zu sein, bei „Planst du noch oder hilfst du schon?“ handelt es sich um eine Anleitung zur Philanthropie. Immerhin muss man diese Bücher, anders als bei Ikea, nicht selber zusammenbauen.

Die zweite Titelidee stammt von Hape Kerkeling. Im Gefolge des Bestsellers „Ich bin dann mal weg“ donnert über die deutsche Buchkultur eine Woge der Ich-bin-dann-mal-Titel hinweg. Bücher heißen „Ich bin dann mal schlank“, „Ich bin dann mal offline“, „Ich bin dann mal einkaufen“, „Ich bin dann mal zwei“ – letzterer Ratgeber steht, Zielgruppe junge Mutter, in direkter Konkurrenz zu „Stillst du noch oder lebst du schon?“.

Als ich dann ein bisschen über Hape Kerkeling recherchiert habe, stellte ich fest, dass über sein Privatleben fast nichts bekannt ist. Er hat sehr lange in Düsseldorf gelebt. Fast das Einzige, was man in den Archiven der Lokalpresse herausfinden kann: Er besuchte öfter mal Partys in der nahe gelegenen Stadt Köln. Diese Partys seien von einem Eventmanager namens Manfred Schmidt organisiert worden.

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