Meinung : Matthies meint: Bremsen oder standhalten?

Oft war hier schon die Rede von den tolldreisten Streichen der Schumacher-Brüder, etwas weniger oft von Horst-Eberhard Richter, unserem Lieblings-Seelenforscher, der sich beim Interpretationsrennen auf dem Nürburgring in unseren Köpfen die Pole-Position ebenso wenig nehmen lässt. Es wäre wundervoll gewesen, einmal alle drei in einem Text unterzubringen - aber wo sollte die Verbindung sein? Bitte: Es brauchte nur die "taz" als Katalysator. Heute liefert sie uns ein Interview mit Richter, der sich nicht nur des wahrhaft titanischen Ausbremskampfs der beiden Brüder annimmt, sondern auch gleich die Brücke schlägt ins Hier und Jetzt bzw. Warum-nicht-gleich-so. Deutschland nämlich, so sieht er es, zerfällt ebenso in zwei Teile wie die Schumachers. "Die Schwächeren identifizieren sich wütend mit Ralf und erkennen darin ihre eigene Kränkung", sagt er, andere seien fasziniert von der Brutalität und Rücksichtslosigkeit, mit der Michael gewinnen wolle. Wir ahnen bereits, dass sich hier ein weiterer psychoanalytischer Bestseller ("Bremsen oder standhalten?") ankündigt, vermissen aber noch die politische Nutzanwendung dieser luziden Analyse. Wenn wir Richter richtig verstehen, ist Michael Schumacher der Gerhard Schröder der Rennpiste, sein Bruder dagegen eine Art rasende Angela Merkel, deren Tragödie es ist, immer wieder fies ausgebremst zu werden. Schließlich ist auch Politik ein Herumrasen bis zum Abwinken, und deshalb bleibt selbst für Guido Westerwelle noch eine kleine Rolle im Richter-Szenario: als Boxenluder.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben