Meinung : „Meetings mit Wählern …

Elke Windisch

… haben gezeigt, dass die Aserbaidschaner hinter der Politik des Präsidenten stehen.“

Ilham Alijew, der jetzt für drei Tage Deutschland besucht, hat sich vor der Präsidentenwahl im vergangenen Oktober stets auf seinen Vater Haydar Alijew berufen. Der hatte ihn als Nachfolger aufgebaut. Der Sohn versprach, den Kurs des Seniors fortzusetzen – und erreichte ein triumphales Ergebnis. Der Vater hatte den Entwicklungen in der ölreichen Republik zwischen Kaukasus und Kaspischem Meer über dreißig Jahre seinen Stempel aufgedrückt und sicherte am Ende den ersten dynastischen Machtwechsel auf dem Gebiet der früheren Sowjetunion. Kurz vor seinem Tode im Sommer 2003 ernannte er den 42-jährigen Ilham, bis dato Chef der staatlichen Ölgesellschaft, zum Regierungschef. Im Dezember wurde er zum Chef der Regierungspartei Yeni Azerbaijan (Neues Aserbaidschan) gewählt, der Hausmacht des Alijew-Clans.

Doch schon Lenin wusste: Es ist leichter, die Macht zu erobern, als sie zu behaupten. Ilham hat von „Baba“ (Väterchen), wie die rund sieben Millionen Untertanen den Vater respektvoll nannten, das Amt geerbt, nicht aber dessen unangefochtene Autorität. Die ist aber eine Voraussetzung, um die zahlreichen Probleme zu lösen: Korruption und Vetternwirtschaft, flächendeckende Armut, Streit über die Teilung der Ölreserven im Kaspischen Meer, eine ziemlich selbstbewusste Opposition und ein gespanntes Verhältnis zu den Nachbarn, vor allem Armenien und Iran.

Der Konflikt um Berg-Karabach, eine von christlichen Armeniern bewohnte Exklave im muslimischen Aserbaidschan, ruht nur. Dort gab es in den 80er Jahren Ausschreitungen mit hunderten Toten und tausenden Flüchtlingen. Die Spannungen mit Iran betreffen Ölfelder und ethnische Konflikte; die türkischstämmigen Aseri leben beiderseits der Grenze; Untergrundgruppen kämpfen für die Vereinigung.

Hinzu kommen massive Probleme im eigenen Lande: Die Masse fordert eine radikale Demokratisierung, Minderheiten verlangen innere Autonomie. Ilham, ein Heißsporn wie sein georgischer Kollege Michail Saakaschwili, reagiert teilweise mit Gewalt. Die Opposition hatte er schon vor den Wahlen massiv behindert, danach ließ er ihre Protestversammlungen brutal niederknüppeln. Es gab Tote, Verletzte und viele Verhaftungen. Alijew junior ist selbst in den eigenen Reihen zunehmend umstritten, Innenminister Usubow musste Gerüchte über einen bevorstehenden Staatsstreich dementieren.

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