Meinung : Mein lieber Schurke

Warum die von Islamisten ausgehende Terrorgefahr wenig Beachtung findet

Frank Jansen

Die Demonstranten haben „ihren“ Schurken fest im Blick. Zehntausende schmähen in Berlin und anderswo George W. Bush als Verbrecher. Und die anderen „Täter“, hier in Berlin, werden die nicht wahrgenommen? Während die Kriegsgegner protestieren, rüsten gefährliche Gruppen für ihren Kleinkrieg. Die Polizei hat in Berlin offenbar nur knapp einen Anschlag militanter Islamisten verhindert, geplant zum Beginn des IrakKrieges. Diese Täter machen keinen Unterschied zwischen amerikanischen Bellizisten und deutschen Kriegsgegnern. Westen ist Westen – und der ist in ihrem Visier.

Da drängen sich Fragen auf, die manche Friedensmarschierer vermutlich als Zumutung empfinden: Wie würden sie reagieren, wenn in der Stadt parallel zu den Friedensdemonstrationen ein Bombenanschlag verübt würde? Und das Attentat Tote und Verletzte zur Folge hat? Gäbe es dann mächtige Demonstrationen gegen den Terror? Oder müsste selbst dann George W. Bush als Sündenbock herhalten – weil er doch mit seinem Krieg die terroristische Gegengewalt erst provoziert habe?

Viele Demonstranten verkennen, dass Saddam Hussein schon lange mit Terroristen paktiert. Vermutlich nicht mit Al Qaida, aber mit radikalen Palästinensern, unter anderem der Hamas. Die fundamentalistische Organisation ist für zahlreiche Selbstmordanschläge in Israel verantwortlich. Der irakische Diktator hat den Angehörigen der Attentäter hohe Dollarsummen überwiesen, zum Dank für die Blutbäder. Die sechs Islamisten, die jetzt in Berlin festgenommen wurden, zählen offenbar zum Umfeld der Hamas. Die Gefahr grauenhafter Anschläge ist den Berlinern näher, als viele glauben.

Es wird auch nur ungern wahrgenommen, dass der Zentralrat der Juden in Deutschland vorsichtig Verständnis für Amerikas Militärschlag äußert. Und warum. Zentralratspräsident Paul Spiegel ist kein Kriegseiferer. Er gehört zu den wenigen Prominenten, die immer wieder vor Rassismus und Rechtsextremismus warnen. Die Juden in Deutschland leben in permanenter Angst vor Anschlägen rechter und auch islamistischer Fanatiker. Sie registrieren aufmerksamer als die Deutschen, dass die irakische Botschaft in Berlin mit Neonazis gekungelt hat. Bei den Friedensdemonstranten sind die Nöte der Juden und die Allianzen zwischen braunen und muslimischen Gewalttätern kein Thema.

Deutschland schaut auf den Irak und übersieht die Gefahr, die zwei Straßen weiter lauert. Mehrmals hat die Polizei Islamisten festgenommen, die Anschläge geplant oder sogar schon vorbereitet hatten. Schon vor dem 11. September. Vier Algerier wollten im Dezember 2000 von Frankfurt aus den Weihnachtsmarkt in Straßburg angreifen – mit einer Bombe, deren Splitter viele Menschen verletzt oder getötet hätte.

Wer demonstriert gegen diesen Terrorismus? Auch die friedlichen Muslime schweigen. Sie lassen zu, dass im Namen ihrer Religion schwere Verbrechen propagiert, geplant und verübt werden. Manche Schurken dürfen offenbar auf reichlich Milde hoffen.

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