Michael Sabbah : „Frieden ist möglich“

Der Patriarch von Jerusalem glaubt an ein friedliches Zusammenleben im Nahen Osten - und fordert von Israel mehr Engagement.

Martin Gehlen

In seiner Hoffnung bleibt er unerschütterlich: „Palästinenser und Israelis sind fähig, friedlich zusammenzuleben, jeder in seinem Territorium, jeder in Sicherheit, in Würde und im Besitz seiner Rechte“, sagt Michel Sabbah, der lateinische Patriarch von Jerusalem, in seiner Weihnachtsbotschaft. Vergangenen Sonntag bereits feierte der höchste römisch- katholische Repräsentant im Nahen Osten mit der kleinen Schar von 400 Christen im Gazastreifen das Fest der Geburt Jesu. Am Heiligabend zelebriert er die traditionelle Mitternachtsmesse in der Geburtskirche von Bethlehem. In seiner Predigt in Gaza rief er die Gläubigen zu „Zusammenhalt in dieser schwierigen Zeit“ auf und kritisierte erneut scharf die totale Abriegelung des Gazastreifens von der Außenwelt. „Auch wir verurteilen die Selbstmordattentäter“, sagte er kürzlich in einem Interview. „Doch schauen sie auf das Leben der Menschen im Gazastreifen. 1,25 Millionen Palästinenser sind auf engstem Raum eingeschlossen. Die Leute leben, sind aber in Wirklichkeit tot. Wer tot ist, fürchtet sich nicht vor dem Tod. Es sind tote lebende Leute.“

Michel Sabbah ist selbst Palästinenser und wurde 1933 in Nazareth geboren. Dort besuchte er die christliche Schule, anschließend das Priesterseminar in Beit Jala bei Bethlehem. 1955 wurde er in Nazareth zum Priester geweiht und arbeitete anschließend als Pfarrer im jordanischen Madaba. 1973 promovierte er an der Pariser Sorbonne zum Doktor der arabischen Philologie, von 1979 bis 1987 war er Präsident der Universität von Bethlehem. Am 11. Dezember 1987 ernannte ihn Johannes Paul II. zum Patriarchen von Jerusalem und weihte ihn persönlich im Petersdom zum Bischof – eine ganz besondere päpstliche Geste. Seither ist Sabbah die wichtigste Stimme der palästinensischen Christen.

Besonders von Israel forderte der Patriarch in den letzten Monaten intensivere Friedensanstrengungen: „Israel muss entscheiden. Wenn Israel Frieden will, wird es Frieden geben“, sagte er auf Radio Vatikan. Als starker Kraft in der Region komme Israel eine besondere Verantwortung zu, eine grundlegende Einigung mit den Palästinensern zu erzielen. „Wir brauchen Menschen, die mit Israelis und Palästinensern befreundet sind“, erläuterte er. „Sie müssen den Palästinensern sagen: ,Ihr braucht einen Staat, aber der Weg führt nicht über Selbstmordattentate.‘ Sie müssen den Israelis sagen: ,Mit dem Militär kann man Kriege gewinnen, aber keinen Frieden.‘“ Martin Gehlen

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