Meinung : Militärische Vergeltung: Internationale gegen den Terror

Christoph von Marschall

Mit jedem Tag, an dem die Vergeltung ausbleibt, wächst die Hoffnung: Dass das verwundete Amerika nicht im Affekt dem Revanchegefühl nachgibt. Präsident Bush telefoniert mit Russland, mit China, mit islamischen Staaten, um eine breite Koalition zu schmieden - wie seinerzeit vor dem Krieg gegen Irak zur Befreiung Kuwaits.

Zum Thema Online Spezial: Terror gegen Amerika
Umfrage: Haben Sie Angst vor den Folgen des Attentats?
Fotostrecke I: Der Anschlag auf das WTC und das Pentagon
Fotostrecke II: Reaktionen auf die Attentate
Fotostrecke III: Rettungsarbeiten in New York
Fotostrecke IV: Trauerkundgebung am Brandenburger Tor
Chronologie: Die Anschlagserie gegen die USA
Osama bin Laden: Amerikas Staatsfeind Nummer 1 gilt als der Hauptverdächtige Mit jedem Tag wachsen jedoch ebenso die Erkenntnisse über Komplizen, Hintermänner, Verbindungen der Terroristen des 11. September. Wer auch immer es war - die Täter hatten ein weit verzweigtes Netz von Helfershelfern und Geldgebern in verschiedenen Ländern. Mit einem Wort: Bei dem nun ausgerufenen Kampf gegen den Terrorismus wächst die Zahl der Feinde und potenziellen Ziele. Und so will sich Beruhigung über die ausbleibende militärische Reaktion nicht so recht einstellen; sie weicht neuer Unruhe. Es wird unwahrscheinlicher, dass Amerika nur eine begrenzte Vergeltungsaktion plant - den in diesen Tagen oft beschworenen Angriff auf Camps des Osama bin Laden in Afghanistan. Präsident Bush hat bereits von einem langen Feldzug gesprochen. Auch vom Irak ist nun wieder die Rede.

Nach und nach ergibt sich das Bild einer verdeckten Internationalen des Terrors. Eine Internationale gegen den Terrorismus soll sie bekämpfen. Eine große erdumspannende Koalition verleiht Amerika einen politischen Schutzschirm. Aber sie schränkt die USA zugleich ein, in doppelter Weise. Erstens im Umfang und in der Härte des Gegenangriffs; ein Zuviel könnte Bush die Unterstützung mancher Koalitionäre kosten. Zweitens bei der Bekanntgabe des Wissens. Nur mal als theoretisches Beispiel: Wer die Unterstützung Saudi-Arabiens anstrebt, würde vielleicht die Erkenntnis für sich behalten, dass reiche Saudis den Terror finanziert haben. Und weder das Land noch diese Familien auf die Liste der Gegner setzen. Je größer Bush die Koalition machen will, desto enger muss er den Kreis der Feinde definieren.

Militäraktionen zur Bestrafung der Täter und ihrer Helfer - vor allem aber, um eine Wiederholung dieser Attentate zu verhindern - sind das Eine. Wer die kleinen Schurken nicht nur per Definition, sondern dauerhaft von den Terroristen trennen will, der wird ein politisches Konzept entwickeln: Mehr Hilfe als bisher bei eindeutiger Distanzierung vom Terror, in Wort und Tat. Und bei Zweideutigkeit, die der Westen bisher vielen Regimen durchgehen ließ, Entzug der Hilfe.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben