Meinung : Milzbrand: Trost und Triumphe

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Angst essen Seele auf. Selten hat der Titel dieses Fassbinder-Films eine Stimmung so treffend charakterisiert wie heute. Amerika zittert. In einer Zeit, in der Flugzeuge gezielt in Hochhäuser gesteuert und Briefe mit tödlichen Krankheitserregern verschickt werden, scheint plötzlich alles möglich, ja wahrscheinlich. So diffus wie die Quelle der Gefahr, so ungestüm schäumt die düstere Fantasie. Aus Wachsamkeit nicht Panik werden zu lassen, ist schwer. Denn die Hysterie ist, im Unterschied zum Milzbrand, ansteckend. Wen die Spirale der Furcht einmal erfasst hat, den lässt sie nicht mehr los. Entsprechend massiv ist der Druck auf die Politik: Hauptsache handeln, irgendwie aktiv sein. Im Inneren werden unablässig Maßnahmen beschlossen, die den Ermittlungsbehörden zum Teil außerordentlich umfangreiche Befugnisse einräumen. Die Bereitschaft zur Einschränkung von Freiheitsrechten ist groß. Jeder weitere Fall von Milzbrand lässt die Amerikaner noch entschlossener werden, den Kampf gegen den Terror durchstehen und gewinnen zu müssen. Angst essen Seele auf. Und verletzte Seelen brauchen entweder Trost - oder Triumphe. Amerika braucht beides.

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