Meinung : Mit spitzer Feder: Nach Hause humpeln

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Er hat alles versucht: Partyhopper, Model, Entertainer, Neuwirtschaftsunternehmer, Schwerenöter, Papa, Surfer, Denker, Dummchen, Börsianer - aber nichts hat funktioniert. Jetzt, zwei Jahre nach seinem letzten Spiel, hat er, der sechzehnjährige Leimener, der erst zum Bobele, dann zum Boris und schließlich zum Boris Becker erwuchs, reumütig erkannt: "Tennis ist das, was ich am besten kann". Bumm und Bumm, Hin und Her, Hecht und Faust. Und Tennisspieler ist die Rolle, in der das Publikum Boris am liebsten hat. Die Fünf-Sekunden-Nummer in der Wäschekammer, die Scheidung von Frau Babs, Gala mit Frau Schiffer, Schnäbeln mit Frau Setlur, Posen im "Spiegel" - so geht das nicht weiter. Was soll da noch kommen? Sportpolitischer Berater von Frank Steffel? Also schaltete Boris zurück auf Bobele, trainierte sich die Röllchen von den Hüften und meldete zum Seniorenturnier. Das erste Spiel - ein Riesending! Aufgabe im zweiten Satz gegen Björn Borg, mit Oberschenkelzerrung. So etwas haben nur echte Sportler. Und dann Beckers Analyse: "Ich habe bei der Vorhand einen Schritt gemacht, den ich nicht hätte machen sollen." Klaro: Beim nächsten Mal macht er den nicht mehr. Zwölf Turniere möchte Becker spielen. Weil er nach Hause will. "Mein Comeback ist ein Schritt zurück in ein Leben, das ich kenne", sagte er, bevor er davonhumpelte. Sein "Bin ich schon drin?" ist von gestern. Boris will nicht mehr ins Netz. Er will wieder drüber.

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