Meinung : Mit vollem Mund und stolzer Brust

„Mehdorn rechnet ab“ vom 14. November

Da ist er wieder, der Herr Mehdorn, der alles richtig macht. Alle anderen sind unfähig, Probleme zu erkennen und behindern ihn in seiner segensreichen Tätigkeit. In zehn Jahren auf dem Chefsessel bei der Deutschen Bahn hat er die Berliner S-Bahn kaputtgespart ohne Rücksicht auf Verluste und nicht begriffen, dass sie auch das Schmierfett der Berliner Wirtschaft ist. Das Schienennetz, die technische Infrastruktur und den Fahrzeugpark hat er dermaßen investionsseitig reduziert durch seine Sparprogramme und erzwungenen Gewinnabführungen, dass der Betrieb auf längere Zeit nur mit einem ständigen Chaos möglich ist. Danach hat er mit vollem Mund und stolzer Brust die Sanierung von Air Berlin in Angriff genommen. Wenn es dann nicht so klappt, wie er es sich gedacht hat und ohne Beachtung der wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen, dann sind wieder die Bundesregierung und die EU-Kommission schuld. Wer als Topmanager eine solche Wortwahl trifft, wie „Unzucht mit Abhängigen“ im Zusammenhang mit vom Parlament beschlossenen Steuern, wer die EU als Dominanz der Großen und Starken begreift – „ Warum soll ein Zypriote da mitreden? Der hält doch nur die Hungerkralle auf.“ – der diskreditiert sich selbst. Hoffentlich wird einem solchen Topmanager jenseits des 70. Lebensjahres nicht noch ein weiteres großes Unternehmen zum Kaputtsanieren übertragen. Es reicht, denn die Berliner S-Bahn wird uns noch Jahre an sein wirkungsvolles Schaffen erinnern. Aber keiner kommt auf den Gedanken, ihn dafür vielleicht auch zur Verantwortung zu ziehen.

Klaus-Dieter Busche,

Berlin-Lichtenberg

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