Meinung : Mitgekauft

„Politik mit langem Atem“ vom

29. September

Die bayerischen Schüler sind also mit

so viel besseren Chancen ausgestattet und das Berliner Schulsystem ist nur schlecht und bringt vorwiegend Versager hervor? Bitte recherchieren Sie

doch einmal, wie schlecht es den gut

benoteten Schülern aus dem angeblichen Traumbildungsbundesland Bayern in Berlin erging. Teuren Nachhilfeunterricht musste der Bund bezahlen, weil

sie reihenweise versagten in Berlin,

wo die Anforderungen doch angeblich

so gering sind!

Etlichen fehlten offensichtlich die für diese Gesellschaft so wichtigen Grundkompetenzen wie Selbstständigkeit, Teamfähigkeit und eigenständige Problemlösungsstrategien. Auswendiggelerntes können sie vielleicht gut wiedergeben, aber für viele ist das auch schon genug.

Genug für eine moderne Gesellschaft?

Zum Problem Privatschulen stellen sich ebenfalls Fragen. Ja, es ist unfair, sein Kind auf eine Privatschule zu

schicken! Wer unterrichtet als Lehrer schon freiwillig dort und wie setzt sich die Schülerpopulation zusammen?

Vielen gescheiterten Schülern mit

sozial-emotionalen Störungen werden von ihren gut betuchten Eltern dort Schulplätze gekauft. Gleich mitgekauft wird die Nachsicht mit Verspätungen, Schuleschwänzen und nicht oder nur unzulänglich erbrachten Leistungen. Ja, es ist unfair, dass eine Förderschülerin in Brandenburg für bessere Noten mehr Leistung erbringen muss als eine in einer privaten katholischen Privatschule am Berliner Wittenbergplatz!

Doch ich glaube, ganz so meinte es Herr Döbler nicht! Fragen Sie an der genannten Schule doch einmal nach, warum Verspätungen und Schwänzen nicht auf dem Zeugnis vermerkt werden und Schüler, die nicht einen sinnvollen Satz zustande bringen, im Fach Deutsch, aber auch in Englisch mit der Note Drei bewertet werden.

Frau Scheeres mag als Senatorin nicht immer glücklich agieren. Dennoch halte ich ihren Vorstoß, Privatschulen betreffend, für eine gute Maßnahme. Besonders nach den Skandalen am Canisius-

Kolleg und ähnlichen Institutionen ist doch wohl staatliche Kontrolle mehr als angebracht.

Ja, die politische Klasse denkt selten über vier Jahre hinaus. Aber auch das ist systemimmanent und sollte nicht verwundern. Zu entschuldigen ist es dennoch nicht. Wer daran die Schuld trägt? Wir, die Bürger, die wir unseren Politikern nicht genug auf die Finger schauen? Sicher auch! Aber auch Journalisten, die ihre Chance zur Kritik nicht wahrnehmen. So verpassen wir die Chance, Einfluss zu nehmen und Veränderungen zu bewirken. Schade!

Monika Gysi, Mahlow-Waldblick

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