Nach der Babbel-Entlassung : Glaubwürdigkeit verloren

18.12.2011 17:01 UhrVon Michael Rosentritt
Hertha-Manager Michael Preetz schiebt Markus Babbel den Schwarzen Peter zu. Am Ende der Trainerposse gibt es einen klaren Verlierer: Hertha BSC Foto: dapd
Hertha-Manager Michael Preetz schiebt Markus Babbel den Schwarzen Peter zu. Am Ende der Trainerposse gibt es einen klaren Verlierer: Hertha BSC - Foto: dapd

Nach der Freistellung von Markus Babbel hat Hertha ein gewaltiges Glaubwürdigkeitsproblem. Es werden Parallelen zum Fall Deisler deutlich - und zum Streit zwischen Michael Ballack und Joachim Löw.

Oh weh, Hertha. Das Verhältnis zwischen Markus Babbel auf der einen Seite sowie Manager Michael Preetz und Präsident Werner Gegenbauer auf der anderen liegt in Trümmern. Gegenseitig bezichtigen sie sich der Lüge. Viel schwerer können Vorwürfe nicht sein, viel schwerer kann es einen Verein mit dieser Vergangenheit voller Schwierigkeiten nicht treffen. Nach einem sportlich guten Jahr kracht es über Hertha herein. Egal, wer hier die Wahrheit respektive die Unwahrheit sagt, Hertha hat ein gewaltiges Glaubwürdigkeitsproblem.
Selbst wenn Babbel die Unwahrheit sagen sollte, er also Preetz gar nicht oder nur halbherzig Anfang November gesagt hat, dass er seinen Vertrag bei Hertha über den Sommer 2012 nicht verlängert, selbst dann stellt sich die Frage, warum es das Vereinsmanagement nicht geschafft hat, diese Schlüsselpersonalie professionell über die Runden, sprich in die Winterpause, zu bringen.

Im Gegenteil: Herthas Führung nahm es billigend in Kauf, dass Babbel in den vergangenen sechs Wochen schlechter dastand in der Öffentlichkeit als sie. Zwar hat Hertha Babbel nie aktiv die Rolle des Zauderes zugeschoben, wohl aber die Mechanismen der Medien für sich wirken lassen.
Ein wenig erinnert das an den Fall Sebastian Deisler, der im Sommer 2001 den damaligen Manager Hoeneß einweihte, Hertha im Sommer 2002 zu verlassen, sich aber dem Wunsch unterordnete, nichts davon zu sagen, bis im Oktober 2001 diese Täuschung aufflog. Deisler wurde als Lügner gebrandmarkt, er wurde auf offener Straße angepöbelt und bespuckt. Erst Monate später räumte Hoeneß Fehler ein. Und auch eine Parallele zum Streit zwischen Bundestrainer Joachim Löw und Michael Ballack lässt sich erkennen. Beide sind aus einem Gespräch mit entgegengesetzter Wahrnehmung über den Inhalt gegangen. Ballacks Karriere in der Nationalmannschaft war damit beendet.
Natürlich wäre es interessant, wer im aktuellen Fall lügt, aber es ist nicht mehr entscheidend. Hertha BSC bleibt beschädigt zurück.

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