Nach Fukushima : Deutschlands Energiewende ist eine epochale Aufgabe

Bundeskanzlerin Angela Merkel lässt zu, dass der Ausbau der Netze stagniert. Was treibt sie dazu? Denn die Energiewende ist vor allem eines: Eine Wende zum Besseren.

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Am 11. März jährt sich die Natur- und Atomkatastrophe in Fukushima. Noch immer dauern die Aufräumarbeiten an. Hier steht ein Bagger in der japanischen Stadt Rikuzentakata vor einer Sysiphusarbeit.Alle Bilder anzeigen
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09.03.2012 12:49Am 11. März jährt sich die Natur- und Atomkatastrophe in Fukushima. Noch immer dauern die Aufräumarbeiten an. Hier steht ein...

Fukushima. Der Name steht seit einem Jahr nicht mehr nur für einen Ort am anderen Ende der Welt, sondern für eine prototypische Verkettung von Umständen, die selbst in einer Hochtechnologienation in die Katastrophe münden können. Fukushima hat der Menschheit eigentlich keine grundsätzlich neuen Erkenntnisse über die Atomkraft gebracht, aber vor Augen geführt, was passiert, wenn extreme Naturgewalten auf komplexe Technik und menschliches Unvermögen treffen.

Der Bundeskanzlerin allerdings schien Fukushima schon grundsätzlich neue Erkenntnisse gebracht zu haben; jedenfalls sah sie sich zu einer radikalen Wende getrieben. Hinreichend erklärt hat sie die bis heute nicht. „Nicht für möglich gehalten“ habe sie ein Ereignis wie Fukushima, sagt Angela Merkel in ihrem Podcast zum Jahrestag. Warum aber verstand ausgerechnet die Naturwissenschaftlerin erst mit Fukushima, was anderen seit Jahrzehnten klar war: dass selbst eine vielfach abgesicherte Anlage wie ein Atomreaktor nie bis ins letzte Detail beherrschbar ist? Restrisiken bleiben doch Risiken.

Bestürzend ist ein Jahr danach, dass die Kanzlerin die Energiewende proklamiert und politisch durchgesetzt hat, aber die Umsetzung nicht entschieden vorantreibt. Ausgerechnet sie, die vom Ende her zu denken vorgibt, lässt die Dinge laufen. Absichtlich? Hat sie die Energiewende auch im Innersten vollzogen? Oder war der beschleunigte Atomausstieg doch nur das wahlkampftaktische Manöver, als das es ihre Gegner bezeichnet haben? Die „Klimakanzlerin“ wird wissen, dass der Atomausstieg und ambitionierte CO2-Vorgaben sich widersprechende Ziele sind. Also ist ihr Kalkül womöglich, dass die nächste oder übernächste Bundesregierung den Atomausstieg wieder verlangsamt oder gar umkehrt? Denkt sie, dass sogar ein schwarz- grünes Bündnis sich am Ende gegen den Atomausstieg, für den Klimaschutz wird entscheiden müssen?

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