{Je länger er regiert, desto klarer wird, dass Klaus Wowereit nur eine Mission hat: Klaus Wowereit

Seite 2 von 2
Nach zehn Jahren im Amt : Wowereits Regierungserklärung war routiniert ehrgeizlos

Oder anders: Die, die er hat, trägt den Namen Klaus Wowereit. Der Name steht gleichermaßen für Politik mit Spaßfaktor und für eine gewisse routinierte Ehrgeizlosigkeit. Gerade wenn man den ersten Mann aus Berlin mit SPD-Politikern vom Kaliber Helmut Schmidt oder Gerhard Schröder vergleicht, wird das Ungleichgewicht von Spaß und Ehrgeiz deutlich. Mag Schröder in niedersächsischen Ministerpräsidentenzeiten vor allem sein Ego kultiviert haben – dass er unbedingt mehr sein wollte als ein Provinz-Regierungschef, war ihm anzumerken.

Was an Neuem in die Berliner Politik eingespeist wurde, kam von anderen

Wowereit wirkte schon in den vergangen fünf Jahren öfter mal so, als gehe ihm die Berliner Politik nicht wirklich nahe. Was an Neuem in die Berliner Politik eingespeist wurde, kam stets von anderen – ob es um die S-Bahn ging oder um die Integrationspolitik. Da begann ausgerechnet sein Ex-Finanzsenator Thilo Sarrazin eine Fundamentaldebatte über die Integrationspolitik – Wowereit wandte sich ab und strafte Sarrazin mit Missachtung, statt in den Streit einzusteigen. Dass er jetzt, frei nach Bill Clinton („It’s the economy, stupid“) die Wirtschaftspolitik entdeckt hat, ist erst mal nicht mehr als ein Versprechen.

Klaus Wowereit hält seine Regierungserklärung
Der SPD-Abgeordnete Sven Kohlmeier twittert: "smile...ein neuer abgeordneter fragt mich, ob man nach der regierungserklärung aufsteht und klatscht? ääh, ist nich der könig der redet". Wer da wohl nachgefragt hat?Weitere Bilder anzeigen
1 von 10Foto: dpa
12.01.2012 17:02Der SPD-Abgeordnete Sven Kohlmeier twittert: "smile...ein neuer abgeordneter fragt mich, ob man nach der regierungserklärung...

Gewiss entscheiden sich politische Karrieren nicht an der Häufigkeit von Talkshow-Einladungen oder bundespolitischen Debattenbeiträgen. Doch wenn Berlin als Stadt wenigstens gut funktionieren würde, dann würde Wowereit womöglich sogar noch zum Kreis der SPD-Kanzlerkandidaten-Kandidaten gehören. Inzwischen deutet vieles darauf hin, dass er das nicht mehr tut.

Wowereits Regierungserklärung und die Reaktionen

Wowereit: Berlin wird Europas Metropole

Die Koalition fremdelt noch

"Starke Wirtschaft, gute Arbeit, sozialer Zusammenhalt"

Rot-schwarze Koalition verteidigt umstrittenes Übergangsgeld

Bahn will die S-Bahn nicht ans Land verkaufen

Neuer Justizsenator will schnellere Strafen für junge Täter

Es sind Henkel und Heilmann, die Politik als Feld der Möglichkeiten verstehen

Das hat durchaus Wirkung auf den Berliner Betrieb. Die Berliner SPD, von der Wowereit sich stets vor allem tragen ließ, hat sich längst müde regiert. Gute Leute sind ihr abhanden gekommen – und damit auch Köpfe, die anders als nur stromlinienförmig über Großstadtpolitik nachdenken. Wowereit, Phase drei, hat gerade begonnen. Doch liegt kein Zauber über diesem Anfang, nur ein Gefühl von Routine. Dass Spannung aufkommen kann in diesem Senat, liegt an den unverhofften Chancen der CDU-Senatoren. Da sind von Frank Henkel bis Thomas Heilmann jetzt Personen am Werk, die Politik als Feld der Möglichkeiten verstehen. Wenn sie etwas daraus machen, könnte Politik in Berlin etwas anderes werden als nur Hoffnung auf eine funktionierende Stadt.

Artikel auf einer Seite lesen

26 Kommentare

Neuester Kommentar