NACHRUF   : Detlef Plümer

Foto: Kai-Uwe Heinrich
Foto: Kai-Uwe HeinrichFoto: Kai-Uwe Heinrich tsp

Er liebte die deutsche Sprache. Und er liebte den Tagesspiegel und seine Leser. Detlef Plümer betreute das Leserforum und leitete die Korrekturabteilung. Niemand hatte so viel Kontakt zu unseren Lesern wie Detlef Plümer: Er las alle Briefe an die Redaktion, er wusste immer, welche Themen die Tagesspiegel-Leser bewegten, er kannte ihre Kritik und ihre Anliegen – ein Seismograf des Befindens unserer Leserschaft. Notfalls war er auch ihr Anwalt, wenn es Beschwerden gab über journalistische Schludrigkeiten oder vermeidbare Fehler.

Dem Leserforum galt seine Hingabe, weil er wusste, dass eine Zeitung ohne ihre Leser nichts ist. Deswegen drang er mit seiner ruhigen Art auch darauf, dass alle Leser eine Antwort erhielten – säumige Redakteure erinnerte er notfalls daran, freundlich aber beharrlich. Viele Leserinnen und Leser hat er in den Jahren wieder versöhnt mit ihrem Blatt, weil sie spürten, dass dort jemand saß, der sie und ihre Anmerkungen ernst nahm. Mit einem feinen Gespür für aktuelle Themen machte er die Rubrik „Zurückgeschrieben“ zu einem eigenen journalistischen Stilmittel. Mehrfach hat Detlef Plümer mit den Antworten von Politikern selber wieder Nachrichten produziert und Debatten vorangetrieben.

Die Zeitung hat ihn fasziniert, seit der hervorragende Schachspieler vor mehr als 25 Jahren beim Tagesspiegel anfing und zuerst als Bote, später dann als Sekretär in der Berlin-Redaktion arbeitete. Die Leidenschaft für gutes Deutsch begleitete Detlef Plümer, der neben der Arbeit sein Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nachholte. Leiter der Korrekturabteilung zu sein, das war für ihn niemals nur ein Job, das war ihm ein Anliegen. In der hektischen Tagesproduktion im Newsroom blieb er gelassen, ein Fels in der Brandung der Worte – immer ansprechbar, immer freundlich.

Ihm ging es nie allein um das richtig geschriebene Wort, ihm ging es immer um den Inhalt, um die Gesamtheit der Worte, die erst den Sinn ausmachen. Richtig schreiben bedeutete für Detlef Plümer auch gedankliche Klarheit. Wie oft rettete er Redakteure vor unglücklichen Formulierungen, vor gedanklichen Kurzschlüssen und sachlichen Fehlern, die im hektischen Alltag nahezu unvermeidlich entstehen. „Meinst du das wirklich so, wie du es geschrieben hast“, sprach er die Kollegen an – Nachfragen, die nie verletzend waren, weil es ihm immer um die Sache ging. Viele von uns waren ihm dankbar für seine Hinweise.

Von seinem Stuhl aus wachte er darüber, dass der Tagesspiegel jene Qualität hat, die er persönlich von seiner Zeitung erwartete. Jetzt ist sein Platz verwaist. Detlef Plümer ist mit 47 Jahren am Silvestertag überraschend gestorben.

Er wird uns fehlen. Die Redaktion

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