Meinung : Nahost: Die Logik der Eskalation

Stephan-Andreas Casdorff

Es ist dasselbe Spiel. Palästinenser und Israelis verhandeln, der Vertrag, die lange ersehnte Friedenslösung für den Nahen Osten ist nahe - und dann blockiert Jassir Arafat. Er hat immer Gründe. Nur findet er sie immer in letzter Minute. Das nährt neues Misstrauen. Was treibt ihn?

Er hatte schon einen Kleinstaat für seine Palästinenser, 1970 in Jordanien, 1980 im Südlibanon. 1990 baute er seine Organisation im tunesischen Exil wieder auf. Seit 2000 hat er wieder einen Kleinstaat, im Gaza-Streifen und in Teilen des Westjordanlands. Dreißig Jahre, in denen Arafat Vereinbarungen schloss - und sich nur kurz daran hielt. In denen er der Gewalt Einhalt gebieten wollte. Und sie einsetzte. In denen er in Saudi-Arabien, Kuwait, den Golf-Emiraten Verbündete fand und sie bei Gelegenheit verriet. 1990 zum Beispiel, als Saddam Hussein in Kuwait eindrang und Arafat sich auf seine Seite schlug. Dreißig Jahre - und jetzt gibt es die größte Chance, der Sache der Palästinenser zu dienen. Nur, dient ihr Arafat noch?

In Jordanien, im Südlibanon, nach dem Einmarsch in Kuwait: Wenn Arafat verlor, verloren immer seine Palästinenser. Und viele zahlten mit ihrem Leben. Weil er nicht verlässlich war. Deswegen kam ihm damals, Anfang der 80er Jahre, im Südlibanon auch niemand zu Hilfe. Damals war Ariel Scharon in Israel der gefährlichste Minister.

Nun ist Ehud Barak israelischer Premier, noch. Er, der höchstdekorierte Soldat des Landes, ist in seinen Konzessionen für den Frieden sehr weit gegangen. Eine Lösung für die Siedlungsfrage, das Westjordanland, eine zweigeteilte Souveränität in Ostjerusalem, eine Regelung für den Tempelberg - Hand drauf? Arafat schlägt nicht ein.

Er hat einen Grund, natürlich. Diesmal geht es um die Flüchtlingsfrage: Dürfen sie alle kommen? Wie werden sie entschädigt, wenn sie nicht kommen? Das sind wichtige Fragen, ohne Zweifel. Aber sind sie Grund genug, nein zu sagen zum Clinton-Plan? Nach Clinton kommt Bush, nach Barak - Scharon. Nichts wird dann besser. Will Arafat dann wieder die Kinder Palästinas in einen Krieg der Steine gegen die Gewehre schicken? Oder ist es nach dreißig Jahren nicht doch genug mit dem Nahost-Konflikt des Jassir Arafat?

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