Nahost-Enthüllungen : Al Dschasira demütigt die Palästinenser

25.01.2011 11:14 UhrVon Andrea Nüsse

Die Nahost-Enthüllungen demütigen die Palästinenser und blamieren den Westen. Präsident Mahmud Abbas kann nicht einfach weiter verhandeln wie zuvor .

Die palästinensische Autonomiebehörde steht nackt da. Die Veröffentlichung der geheimen Verhandlungsprotokolle mit Israel und den USA durch den Fernsehsender Al Dschasira ist eine Katastrophe für die Palästinenserführung. Die weitgehenden Zugeständnisse an Israel sind zwar grob bekannt gewesen. Aber ähnlich wie mit den Wikileaks-Papieren ist es immer noch etwas anderes, wenn man sie schwarz auf weiß nachlesen kann.

Fast mehr als die weitgehenden Zugeständnisse, zu denen die palästinensischen Unterhändler bereit waren, schockiert die Sprache. Wenn Chefunterhändler Saeb Erekat darum fleht, ihm wenigstens „ein Feigenblatt“ zu lassen, dann ist das für die Palästinenser erniedrigend.

Zumal Erekat vergebens gebettelt hat: Israel wich nicht von seinen Maximalforderungen ab, und auch die USA stellten sich taub. Viele Palästinenser werden sich ihrer kollektiven Würde beraubt sehen. Profitieren wird von der Veröffentlichung die islamistische Hamas, radikaler Gegenspieler der Autonomiebehörde, die immer vor Zugeständnissen an Israel warnt. Das wird den Sender Al Dschasira, dem oft eine Nähe zu Islamisten vorgeworfen wird, kaum stören. Ebenso wie er einst die unbearbeiteten Videobotschaften eines Bin Laden ausstrahlte, beruft sie sich jetzt auf die Pressefreiheit. In diesem Falle allerdings zu Recht.

Doch wenn man genauer hinschaut, stehen auch die USA und die EU nackt da. Denn die palästinensischen Unterhändler haben ja nicht allein aus Überzeugung gehandelt. Sie stehen unter dem enormen Druck der Amerikaner, der einzigen ernst zu nehmenden Vermittler in dem Konflikt. Und sie müssen dem Diktat der EU folgen, weil diese die Gehälter der Angestellten der Autonomiebehörde bezahlt. Doch politisch belohnt für die Zugeständnisse, die nur durch einen Friedensschluss dem palästinensischen Volk hätten verkauft werden können, wurde die Palästinenserführung nicht.

Viel ist seit der Revolte der Jugend in Tunesien von Würde und Respekt die Rede; oder eher dem Mangel an Würde und Respekt, den Ex-Präsident Ben Ali für sein Volk an den Tag gelegt hat. Der Westen und die EU üben sich nun in Selbstkritik und hinterfragen ihre bisherige Politik. Die Überzeugung, dass in der arabischen Welt Stabilität wichtiger ist als Freiheit und Würde der Menschen, ist ins Wanken geraten. Der Westen, vor allem die USA, können nun nachlesen, wie sie auch im Fall Palästina an der Erniedrigung eines Volkes mitgearbeitet haben.

Zwar ist auch Israel düpiert, denn anscheinend hatte es doch meistens einen Partner für Verhandlungen. Aber das ist mittlerweile fast zweitrangig. Denn nach der Veröffentlichung der Palästina-Papiere kann Präsident Mahmud Abbas nicht einfach weiter verhandeln wie zuvor . Das will er auch nicht – er setzt nun auf die Anerkennung eines Palästinenserstaates durch die internationale Gemeinschaft. Diese versteht nach der Lektüre der Gesprächsprotokolle vielleicht ein bisschen besser, warum.

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