Meinung : Nicht ohne Überschwemmungen

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Ja, die große Flut hat auch etwas Reinigendes. Die blöde Bonusmeilen-Affäre ist vergessen, der Wahlkampf kriegt plötzlich fast einen Zug ins Intelligente, und auch die Krise des Privatfernsehens darf als beendet gelten: die Leute gucken wie doll auf die matschigen Deiche, stundenlang. Doch irgendwann ist die Flut vorüber, und dann sind wieder die Programmdirektoren gefragt: Wie jetzt weiter? ProSieben beispielsweise wirft ab Oktober die Gynäkologin Verena Breitenbach in die Quotenschlacht und erfindet für sie das Genre der „Personal Help Show“ – das klingt vage nach den interessanten Themen Arbeitsamt und Ich-AG, könnte aber auch verblüffende Querverbindungen zur Elbe-Flut aufzeigen, wenn uns die Expertin beispielsweise endlich einmal einen sachgerechten Dammschnitt demonstriert. Am Ende heißt es aber wohl doch nur wieder „Hilfe, mein Mann geht zum Frauenarzt!“, und wir ahnen, dass Frau Doktor B. es nicht wirklich bringen wird. Doch was ist mit den Gartenfreunden? „Deutschlands dümmste Gartennazis“ moderiert von Reinhard Mey, wäre ein unzerstörbarer Quotenbringer aus dem Reich der Rasentrimmer, Schneidgiraffen und Laubsauger, wir könnten beim Bau eines Ameisen-KZs zusehen und den Blitzkrieg über den Gartenzaun planen, angefangen mit einer tödlichen Flut aus der Regentonne. Ganz ohne Überschwemmungen geht Fernsehen nämlich doch nicht.

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