Meinung : „Nie hatte die Welt …

Caroline Fetscher

so drängenden Bedarf an Verständigung zwischen den Kulturen.“

Mit diesen Worten erläutert Seine Hoheit Karim Aga Khan IV. das Engagement seiner weltweit aktiven Stiftung für Kultur. Wenn der 1936 in der Nähe von Genf geborene Fürst Aga Khan heute an der Seite von Außenminister Fischer die Botschafterkonferenz in Berlin eröffnet, wird sein kulturelles Credo nicht fehlen. Seinen Anhängern gilt der global tätige Milliardär und Mäzen, Harvard-Absolvent, Züchter von Rennpferden, Unternehmer und Segler vor allem als der 49. Imam der ismaelitischen Schiiten. Er ist für sie der spirituelle Kopf ihrer Religionsgemeinschaft, der in direkter Linie vom Propheten Mohammed abstammen soll.

Als sich die persische Familie des Aga Khan Mitte des 19. Jahrhunderts mit dem Schah überwarf, emigrierte sie zunächst nach Bombay. Weltdiplomatie, kosmopolitisches Bewusstsein, erstklassige Bildung und sagenhafter Wohlstand prägen seit Generationen das Klima dieser Familie britischer Staatsangehörigkeit mit Wohnsitz nahe Paris.

Von 1937 bis 1939 diente der Großvater Karim Aga Khans als Präsident des Völkerbundes. Der Vater, Prinz Aly Khan, heiratete eine britische Adlige, Karim’s Mutter – und in zweiter Ehe die Hollywood-Schönheit Rita Hayworth.

Auch Karim Aga Khan, Vater von vier Kindern, fand 1998 eine zweite Ehefrau: Die aus dem Thyssen-Clan stammende deutsche Prinzessin Gabriele zu Leiningen, nun Begum Inaara Khan. Doch wegen seiner Aga Khan Foundation (AKF) mit Sitz in Genf hat „His Highness“ oder „H. H.“, wie ihn viele seiner 490 Mitarbeiter unter sich nennen, kaum Muße, sich mit dem Jetset zu befassen. Im Jahr 2003 investierte der Philanthrop 134 Millionen Dollar in 140 Projekte auf dem Boden von 16 Ländern der Erde. Die Gelder stammen zu fast achtzig Prozent aus Spenden reicher Ismaeliten, der Rest aus Erlösen von Unternehmen im Familienbesitz.

Als eine der progressivsten Strömungen innerhalb des Islam – von Sunniten wie traditionellen Schiiten oft beargwöhnt – finanziert die AKF Schulprojekte für Mädchen und Jungen in Afghanistan, baut Brücken, Brunnen und Krankenhäuser in Ländern der Dritten Welt, unterhält in Harvard und am Massachussetts Institute for Technology Projekte zur Erforschung und Restaurierung islamischer Architektur von Bosnien bis Pakistan, und gründet derzeit in Kanadas Hauptstadt ein „Zentrum für Pluralismus“.

„Der Westen weiß viel zu wenig über die Geschichte und das Kulturerbe des Islam“, erklärte dazu Karim Aga Khan im Mai in Ottawa. „Dieser Mangel färbt ab auf die Stereotypen in den Medien, in denen fast nur von Terror und Islamismus die Rede ist.“ Kanadas vorbildliche Zivilgesellschaft und demokratische Tradition, so fügte er hinzu, bilde einen idealen Standort für das neue Zentrum.

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