NSA-Abhöraffäre : Wild West im www

Die Praktiken der NSA sind skrupellos, wenn nicht gar infam. Doch die Revolution dagegen fällt aus. Warum sind viele Menschen nur so lethargisch? Ein kurzer Erklärungsversuch.

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Verschlüssler oder Entschlüssler - wer ist besser?
Verschlüssler oder Entschlüssler - wer ist besser?Foto: dpa

Nun knacken sie auch noch die Verschlüsselungen! Die Praktiken der NSA sind skrupellos, wenn nicht gar infam. Doch zur Überraschung vieler Netzaktivisten und Datenschützer lässt das einen erstaunlich großen Teil der Bevölkerung ziemlich kalt. Versuchen wir eine kurze schwarmintelligente Begründung. Das Phänomen „Big Data“ ist rund 15 Jahre alt. In wenigen Tagen produzieren die Menschen heute mehr Daten als vom Beginn der Zivilisation bis zum Jahr 2003. Das machen sich Wahlkämpfer zunutze, Wissenschaftler, Katastrophenforscher, Versandhändler, Armutsbekämpfer – und die Geheimdienste in aller Welt. So lange es kein internationales Abkommen gibt, das deren Tätigkeiten verbindlich einschränkt, darf man davon ausgehen, dass Russen, Chinesen, Amerikaner und auch Deutsche dabei nicht zimperlich sind, sondern versuchen, besser – effektiver – zu sein als die anderen. Wild West im www. Die Datenmenge ist wiederum so groß, dass sie nur durch den Einsatz sehr spezifischer Algorithmen funktioniert. Wer also nicht regelmäßig mit Terrorverdächtigen in Kontakt kommt und etwa in den Jemen reist, fällt durchs Raster. Ist also alles in Ordnung? Nein. Aber die Unordnung reicht weit über die NSA hinaus.

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