Meinung : Nur das Notwendige: Bauminister Bodewig will den Eigenheimbau erleichtern

Ralf Schönball

Architekten sind nicht gerade dafür bekannt, vorsichtig ihre Worte zu wählen. Wer sie auf den Kollektivtraum der bundesdeutschen Durchschnittsbürger anspricht, auf das Eigenheim also, der bekommt einstweilen zur Antwort: Dieses Urbild des Wohnens ist eine Hybris aus Höhle und Garten Eden und ein unzeitgemäßer Verbrauch von Landschaft und Ressourcen. Bedient also die Ankündigung von SPD-Bundesbauminister Kurt Bodewig, Maßnahmen zu ergreifen, um den Durchschnittspreis des Eigenheims auf 300 000 Mark zu senken, niedere Instinkte? Ist es kruder Populismus? Das wäre eine schöne, weil einfache Erklärung. Doch sie verfehlt das Thema.

Ein Dach über dem Kopf ist eines der Grundbedürfnisse der Menschen. Bilder von Obdachlosen - ob infolge von Armut oder Naturkatastrophen - führen das täglich vor Augen. Darüber zu wachen, dass die Grundbedürfnisse befriedigt werden, ist Aufgabe der Politik. Die Bundesregierung nahm sich also einst des Problems an, kreißte und gebar - den sozialen Wohnungsbau. Eine wunderbare Einrichtung: Die Menschen zahlten billige Mieten, und die Bauträger verdienten sich eine goldene Nase. Nur an die Folgekosten dachte niemand: Die Differenz zwischen hohen Baukosten und billigen Mieten blieb einfach stehen - und türmte sich als Staatsschulden auf; Finanzminister Hans Eichel arbeitet sie heute ab.

Der soziale Wohnungsbau: eine Falle

Der Fehler im System lag im Mangel an Wettbewerb. Und in der Art der Verteilungspolitik. Der Staat förderte, allerdings indirekt: Statt Mietern Geld für den Erwerb eigener vier Wände zu überweisen, gab er das Kapital Bauträgern (über Zuschüsse) oder Anlegern (über Steuervorteile). Das war der erste Dreh an der Kostenspirale. Die Bauträger bauten teuer, erzählten dem Staat, es gehe nicht billiger und versicherten den Anlegern, der Fiskus zahle alles zurück. So öffnete sich die Schere zwischen Mieten und Mietsubventionen. Die Staatsschulden stiegen immer schneller, die Anleger zahlten immer weniger Steuern - und Bauträger fuhren immer größere Autos.

Die Vertreibung aus dem Paradies war nur eine Frage der Zeit. Als sich die rot-grüne Regierung an den Abbau der Schulden machte, stand die Bauwirtschaft bald im Visier. Die Gunst der Stunde, das Angebot am Wohnungsmarkt ist derzeit größer als die Nachfrage, erlaubte tiefe Einschnitte - den Stopp des sozialen Wohnungsbaus. Die Regierung senkte auch den Spielraum für Mieterhöhungen. Das zwang die Bauwirtschaft, billiger zu bauen - und sich neue Märkte zu suchen. Auch deshalb besann sie sich auf das Einfamilienhaus: freistehend, in Reihe oder als Doppelhaus. Und das verkauft sie direkt an den Nutzer, weil Anleger keine Steuervorteile mehr bekommen. Dies zwingt zu realistischen Kaufpreisen - die Gewinne der Bauträger schmelzen.

Reicht das aus? Ja und Nein. Die "katastrophale Halbjahresbilanz" im Wohnungsbau - im Westen Deutschlands ging das Auftragsvolumen zwischen 1999 und 2000 um 10,4 Milliarden zurück - wird damit allein nicht aufgefangen. Aber die Stärkung eines Marktsegments kann das zyklische Tief einer ganzen Branche auch gar nicht auffangen - zumal demographische Ursachen diese Baisse noch verschärfen. Mehr noch: Das soll die Politik auch nicht unbedingt. Der Bauminister macht nur seine Hausaufgaben, wenn er verspricht, die Kosten für Anträge und Planung um 30 Prozent zu senken und die Gebühren für den Anschluss von Grundstücken ans Leitungsnetz für Wasser, Strom und Gas zu drücken. Bodewig will mit der Machete in den Verwaltungsdschungel. Das tut Not.

Aber ist das nicht die Aufforderung zu weiterer Zersiedlung? Nein, denn Stadtplanung ist nicht Sache des Bundes, sondern der Gemeinden. Hoffen wir also, dass deren Architekten und Planer darauf achten, dass der deutsche Traum vom Wohnen nicht zum Albtraum zersiedelter Landschaften wird.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben