Meinung : Nur die Mullahs haben Zeit Von Clemens Wergin

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So richtig es ist, stets auf Verständigung und Ausgleich zu setzen: Man muss auch wissen, wann man eine Herausforderung annehmen muss. Solch eine Situation ist nun in den Verhandlungen über Irans Atomprogramm eingetreten. Paris, Berlin und London haben in den vergangenen zweieinhalb Jahren alles versucht, um Teheran auf gütlichem Wege zu einem Kompromiss zu bringen, der sicherstellen würde, dass Iran keine Atombombe baut – vergebens. Die Mullahs haben stets auf Zeitgewinn gesetzt, haben die Europäer mehrfach düpiert, eine Reihe von Abkommen verletzt und zuletzt gar die Russen gedemütigt, die im letzten Moment noch anboten, die Urananreicherung für Iran zu übernehmen. Zusammen mit den Vernichtungsdrohungen des iranischen Präsidenten gegen Israel ist nun der Punkt erreicht, an dem die Europäer das Scheitern ihrer Bemühungen eingestehen müssen. Es ist deutlich geworden, dass es Iran nur darum ging, Schlupflöcher zu schaffen, die dem Land ein Fortschreiten auf dem Weg zur Beherrschung von Atomwaffentechnik ermöglicht hätten.

Das heißt nicht, dass die Herangehensweise der Europäer falsch war – auch wenn sie sich zu lange von Teheran haben vorführen lassen. Man musste diesen Weg ausprobieren, zumal auch die USA keine bessere Alternative parat hatten. Weil die Iraner nun aber die Siegel der Atomenergiebehörde (IAEO) erbrochen haben, beginnt die Uhr zu ticken. Denn mit jedem Testlauf, mit jeder Umwandlung von Uran hin zu waffenfähigem Material robbt Iran sich ein wenig näher an das Ziel heran, einen Atomwaffensprengkopf bauen zu können. Deshalb muss jetzt der Druck möglichst rasch erhöht werden. Anfang März könnte die IAEO den Fall an den UN-Sicherheitsrat überweisen. Der müsste dann Sanktionen beschließen, die Iran wirtschaftlich weh tun und das Land politisch isolieren. Ob Russland und China diesen Weg mitgehen, ist noch offen. Doch jeder, der mehr politischen und wirtschaftlichen Druck auf Teheran verhindert, muss wissen, dass er damit Militärschläge gegen Irans Atomanlagen wahrscheinlicher macht. Denn angesichts der momentanen Irrationalität der iranischen Führung wird kein israelischer Premierminister sein Volk der Gefahr eines atomaren Holocaust aussetzen wollen.

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