Meinung : Papageien im Schwarzwald

Nach der Weltklimakonferenz: Wo die Politik versagt, kann jeder Einzelne etwas tun

Ingrid Müller

Die Studien liegen auf dem Tisch. Die Erde erwärmt sich – schneller, als die meisten denken. Die Deutschen können das Problem vor ihrer Haustür spüren, das haben Wissenschaftler für den Hitzesommer 2003 gerade erst nachgewiesen. Im Schwarzwald könnte es bald Papageien geben, sagen Max-Planck- Wissenschaftler, manche finden das vielleicht sogar charmant. Die Heuschreckenplagen dagegen bestimmt nicht, die Forscher am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung in Deutschland für denkbar halten. Versicherer klagen über immer höhere Kosten durch Naturkatastrophen in Folge des Klimawandels. Alles Panikmache?

Die Breite des Spektrums der Warner spricht dagegen. Natürlich hat es in der Geschichte der Erde immer wieder unterschiedliches Klima gegeben. Aber die Studien legen nahe, dass es sich diesmal schneller ändern könnte, als wir in der Lage sind, uns anzupassen – sofern die Menschheit nicht rasche Gegenmaßnahmen ergreift.

Deshalb reicht es nicht, nur weiter zu forschen, wie es die USA auf der Klimakonferenz in Buenos Aires forderten. Sie wollen beim Klimaschutz nicht mitmachen. Die Zurückhaltung ist wenig verwunderlich, aber weiter ärgerlich. Sie sind der größte Klimasünder. Allerdings hatte auch niemand damit gerechnet, dass Amerika seine Position in Buenos Aires ändern würde. Erst wenn andere Staaten mit modernen Technologien auf dem Weltmarkt gutes Geld verdienen und der Emissionshandel in Schwung kommt, setzt vielleicht in Amerika ein Umdenken ein. Einige US-Staaten zeigen bereits Interesse.

Die Verhandlungen sind mühsam, und immer wieder tauchen absurde Forderungen auf wie die der reichen Ölstaaten, sie müssten für sinkenden Ölverbrauch entschädigt werden. Von solcher Ignoranz dürfen sich Klimaschützer nicht beeindrucken lassen. Es ist wichtig, rasch über weitere Schritte zu verhandeln: Wie geht es nach 2012 weiter, wenn das Kyoto-Protokoll ausläuft? Dass es nach der Ratifizierung durch Russland in Kraft treten und dass der europäische Emissionshandel nun beginnen kann, sind immerhin Hoffnungszeichen.

In Buenos Aires hat Deutschland mit seinen Erfolgen bei der Senkung der Emissionen wieder eine Vorreiterrolle gespielt. Aber auch die Bürger können noch mehr tun. Der Kohlendioxid-Ausstoß der Kraftwerke ist wieder gestiegen. Dabei wäre es gar nicht so schwer, ganze Kraftwerke einzusparen. Wenn zum Beispiel jeder die Stand-by-Schaltung der Elektrogeräte ausknipsen würde. Oder die Trafos der Halogenlampen vom Strom abkoppelt, sobald die Lampe ausgeschaltet ist. Die Summe solcher Effekte würde gleich ein paar Kraftwerke überflüssig machen. Angenehmer Nebeneffekt: Die Stromrechnung würde billiger.

Auch die Autofahrer, die auf die eigenen vier Räder nicht verzichten können oder wollen, können den eigenen Geldbeutel und das Klima schonen: mit Fünf- oder gar Dreiliterautos. Es gibt sie bereits und nicht nur die bei Werbung und Fahrern so beliebten spritfressenden Geländewagen. Auch das ist ein Erfolg der Umweltschützer, die seit Jahren gegen heftige Kritik solche modernen Autos gefordert haben. Doch einen leicht verständlichen Verbrauchsvergleich, der auch die vielen kleinen Helfer im Innern von der Klimaanlage bis zu elektrisch verstellbaren Sitzen einbezieht, gibt es auf Druck der Hersteller noch nicht. Das Ergebnis einer weiteren Studie: Gäbe es die Angabe von Energieeffizienzklassen A, B und C, wie sei bei Kühlschränken längst üblich sind, auch für Autos, wäre die Industrie rasch in der Lage, den Verbrauch um fünf Prozent zu senken.

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