Meinung : Pass für Weltbürger

„Ja zu Pierre, nein zu Mehmet“

vom 30. September

Die Welt 2011 ist ein Dorf, aber eben kein gallisches. Für ein solches jedoch scheint sich Deutschland zu halten, denn seine Politiker bekommen Heulkrämpfe, wenn es um die doppelte Staatsbürgschaft geht. Man befürchtet Illoyalität. Das mag eines häuslichen Eifersuchtsdramas würdig sein, nicht aber eines modernen Staates. Zumal der sich dank Fachkräftemangel gerade den Kopf zerbricht, wie er ausländische Hänsel und Gretel in sein Lebkuchenhaus locken kann. Mit der immer noch vorherrschenden „Return-to-sender“-Mentalität klappt das sicher nicht.

Die Entscheidung, in einem anderen Land zu leben, ist nicht einfach und auch nicht immer freiwillig. Doppelte Staatsbürgerschaft zeugt von Respekt für Menschen, die sich entschieden haben, ihren Lebensmittelpunkt neu zu setzen, aber auch Respekt für ihre Herkunft. Ich habe viele ausländische Freunde, die das hohe Lied von dessen Mangel im Chor singen könnten.

Ich selbst schließe mit meinen 51 Jahren den Gedanken nicht aus, ins Ausland zu gehen. Vielleicht nur eine Zeitlang. Vielleicht auch für immer. Wie glücklich werde ich mich dann schätzen, wenn ich dort, wohin ich gehe, neue Wurzeln schlagen darf, ohne die alten mit Stumpf und Stiel auszureißen zu müssen.

Schade, dass es keinen Pass für Weltbürger gibt!

Stefan P. Pickardt, Berlin-Moabit

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