Pentti Linkola : „Es hilft nicht, Kameraden zu erschießen“

Der finnische Umweltaktivist soll dem Amokläufer Pekka-Eriv Auvinen ein Vorbild gewesen sein.

André Anwar

Er ist Ökophilosoph. Weniger wohlwollende Geister nennen ihn Ökofaschist. Denn der Finne spricht sich für die gewaltsame Reduzierung der Menschen zugunsten des Umweltschutzes aus. Obwohl er heute hauptberuflich Fische fängt und kaum noch schreibt, ist er wieder in aller Munde: Der 18-jährige Abiturient Pekka-Eric Auvinen soll in ihm sein großes Vorbild gesehen haben, bevor er mitten im Schulunterricht acht Menschen und dann sich selbst erschoss.

Die Zeitung „Huvudstadtsbladet“ fragte Linkola nach der Bluttat, was er davon halte, wenn jemand auf diese Weise seine Philosophie umsetze. Der tote Junge habe die richtigen Gedanken gehabt, so die Antwort Linkolas. Seine Aktion sei aber nicht durchdacht gewesen. „Langfristig hilft es nicht, Schulkameraden zu erschießen. Wir brauchen eine Massenbewegung, um die Weltbevölkerung zu reduzieren“, sagt Linkola. Bevor man über die existierende Bevölkerung nachdenken kann, gehe es um die Reduzierung der Geburtenraten, fährt der Vater zweier Kinder fort.

Linkola brachte sich in den 60er Jahren selbst Zoologie, Biologie und Botanik bei. Der Sohn eines Universitätsrektors begann mit harmlosen biologischen Veröffentlichungen, verschrieb sich dem Pazifismus und wurde Umweltschutzaktivist. Überbevölkerung sah er zunehmend als Hauptübel an. Am deutlichsten wurde er in seinem 1989 erschienenen Titel „Einführung in die Philosophie der 90er Jahre“. Er fordert darin Völkermord und Eugenik zur Reduzierung der Menschheit, außerdem den Stopp der Zahlungen an die Dritte Welt und das Ende der Aufnahme von Einwanderern. Die Weltbevölkerung solle um ein Viertel reduziert werden – am besten durch einen dritten Weltkrieg. Linkola befürwortet alle Aktionen, die die Vernichtung von Menschenleben fördern – einschließlich des 11. September. Der Hintergrund für das Töten ist ihm dabei gleichgültig. Auch wenn er oft in die Nähe des Nationalsozialismus gerückt wird, lobt er auch die deutsche RAF. Er ist Feind der katholischen Kirche, da diese seiner Ansicht nach dem menschlichen Leben zu viel Bedeutung beimisst.

Obwohl seine Bücher nur im Finnischen erschienen sind, sind seine Ansichten in Auszügen weltweit bekannt. Linkola soll von einem Ruderboot aus fischen und verkauft seinen Fang dann mit dem Pferdewagen vor der Haustür. Reisen unternimmt er aus Rücksicht auf die Umwelt nur mit dem Fahrrad oder dem Schlitten.André Anwar

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