Meinung : Pokern um die Zugabe

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Der Weg der Vernunft wurde bereits letzte Woche aufgezeigt. Doch Jassir Arafats Junktim zwischen der Geburtskirche und seinem Amtssitz in Ramallah stieß auf israelische Ablehnung und wurde begraben: Hauptsache, er erhält wieder Bewegungsfreiheit. Dass die von Israel gesuchten, bewaffneten Kirchenbesetzer freikommen, glauben sie selbst nicht mehr. Ebenso wenig scheint es wahrscheinlich, dass sie ins Exil gehen oder sich in israelische Haft nehmen lassen. Eine Lösung wird sich am Präzedenzfall der Zeevy-Mörder und der angeblichen Terror-Drahtzieher orientieren, die mit Arafat in dessen Amtssitz eingeschlossen waren und die nun im Gefängnis von Jericho von britischen und amerikanischen Wärtern bewacht werden. Im Gefängnis von Jericho ist genug Platz für die „großen Fische“ aus der Geburtskirche – und beide Seiten könnten mit dieser Lösung ihr Gesicht wahren. Die übrigen Bewaffneten dürften die Israelis nach kurzer Verhörperiode freilassen. Zunächst jedoch versuchen beide Seiten, sich mit neuen Maximalforderungen letzte Vorteile im Ringen um die öffentliche Meinung zu sichern: Die Israelis hoffen, dass die Palästinenser als Kirchenschänder angeklagt werden; die Palästinenser, dass die christliche Welt den jüdischen Belagerern die Schuld gibt. Der zähflüssige Verhandlungsverlauf hat aber noch einen anderen Grund: Im Nahen Osten wird, selbst wenn der Kompromiss bereits offenkundig ist, leidenschaftlich um das „Bakschisch“ gerungen: die kleine Zugabe, die jeder als Siegestrophäe zu Hause vorzeigen will. cal

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