Politiker-Ehen : Und der Neuen zugewandt

Ehekrisen lösen heute auch bei Konservativen keine innerparteilichen Ausnahemzustand mehr aus. Damit sind sie auf einer Linie mit den Kirchen, jedoch nur unter bestimmten Bedingungen.

Ursula Weidenfeld

Nun haben sich auch Günther Oettinger und seine Frau getrennt – es ist die dritte Ehekrise unter prominenten Politikern der CDU/CSU, die in diesem Jahr offiziell bekannt gegeben wurde. Vorher hatte sich Verbraucherschutzminister Horst Seehofer zuerst eine Freundin zugelegt, die er dann nach längerem Zögern und der Geburt einer gemeinsamen Tochter offiziell wieder verlassen hat. Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff trennte sich ebenfalls von seiner ersten Frau und erwartet mit seiner neuen Lebensgefährtin im kommenden Jahr ein Kind.

Was vor Jahren in der CDU noch Grund für einen innerparteilichen Ausnahmezustand gewesen wäre, scheint bei den Konservativen inzwischen kein großes Problem mehr zu sein. Wenn es nicht mehr klappt in der Ehe, dann trennt man sich eben. Witzelte man vor Jahren in konservativen Kreisen noch gern über die diversen Ehen von Gerhard Schröder und Joschka Fischer, so ist das längst verstummt. Schließlich ist selbst die eigene Kanzlerin in zweiter Ehe verheiratet.

Mit ihrer realistischen und pragmatischen Haltung entfernen sich die Christdemokraten und Christsozialen nicht einmal mehr von den Kirchen. Die evangelische Kirche hat mit dem öffentlichen Festhalten an der Bischöfin Margot Käßmann längst dokumentiert, dass sie die Dauerhaftigkeit der Ehe zwar noch als frommen Wunsch pflegt, sich aber in der Wirklichkeit längst davon verabschiedet hat. Nur die katholische Kirche proklamiert die Unauflöslichkeit und nimmt den CDU-Leuten den laxen Umgang mit der ehelichen Treue übel. Doch auch sie erkennt in ihrer Hinwendung zur Geschiedenenpastoral an, dass es immer wenigeren ihrer Mitglieder gelingt, dieses Gebot einzuhalten. Nahezu jede zweite Ehe wird geschieden in Deutschland – da ist es nur naheliegend, dass die moralischen Institutionen des Landes eine neue Haltung dazu finden.

Unter einer Bedingung: Die Trennung muss in Anstand über die Bühne gebracht werden. Das monatelange Zaudern Seehofers zum Beispiel schadete den parteipolitischen Ambitionen des Ministers ebenso, wie es dem Berliner CDU-Spitzenmann Friedbert Pflüger nachgetragen wurde, dass er seine Exfrau nach der Trennung auf Versorgungsausgleich verklagte. Das Scheitern eines Lebensentwurfs wird auch Konservativen heute verziehen – das öffentliche Begleichen alter Rechnungen mit dem früheren oder verlassenen Partner aber nicht.

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