PORTRÄT : Ahmed Wali Karsai: „Ich helfe den Amerikanern“

Der Bruder des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai soll Geld von der CIA bekommen. Das schadet dem Präsidenten, eine Woche vor der Stichwahl.

Karin Schädler

Wenn westliche Beobachter zu Ahmed Wali Karsai gefragt werden, möchten sie in der Regel nicht zitiert werden. Seit Jahren wird dem Bruder des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai nachgesagt, er sei in den illegalen Opiumhandel des Landes verwickelt. Kurz vor den Präsidentschaftswahlen im August verdichteten sich diese Hinweise, als eine größere Menge Drogen auf einem seiner Grundstücke gefunden wurde.

Wenn nun die „New York Times“ berichtet, der Bruder des afghanischen Präsidenten stehe seit acht Jahren auf der Gehaltsliste des amerikanischen Geheimdienstes CIA, scheint das ins Bild zu passen. Ahmed Wali Karsai habe für die CIA etliche Dienste geleistet, schreibt die Zeitung. Zum Beispiel habe er eine paramilitärische Einheit rekrutiert, die unter Befehl des Geheimdienstes in und um die Talibanhochburg Kandahar operiert. Die Einheit soll für Angriffe gegen mutmaßliche Aufständische herangezogen worden sein. Karsai habe zudem der CIA geholfen, mit Anhängern der Taliban in Verbindung zu treten und einige sogar zu treffen. Der Bericht wurde von Ahmed Wali Karsai als „absolut lächerlich“ zurückgewiesen. „Ich habe niemals Geld von irgendeiner Organisation erhalten. Aber ich helfe den Amerikanern, wo ich kann“, sagte er. Damit meinte er allerdings zivile und militärische Vertreter. Die CIA kümmere sich selbst um die Anwerbung von Mitarbeitern, und er wisse auch nicht, woher sie ihre Rekruten bekäme.

Dass die CIA an einer Zusammenarbeit mit Ahmed Wali Karsai Interesse haben könnte, liegt allerdings nahe. Schließlich verfügt er in der Region über enorme Macht und gilt vor allem im südlichen Afghanistan, wo die Taliban am stärksten sind, als „feste Größe“. Zudem hat er, verständlicherweise, einen direkten Draht zum Präsidenten. Wie er sich nach den von Wahlfälschungen geprägten Wahlen stolz im Fernsehen präsentierte und über den Sieg seines Bruders sprach, wurde von Beobachtern als „dreist“ empfunden. Hamid Karsai schadet es allerdings erheblich, dass seinem Bruder die Aura eines „Kriminellen“ anhaftet und er jetzt auch noch der Zusammenarbeit mit der CIA verdächtigt wird. Von Anfang an stand der afghanische Präsident im Verdacht, ein Spielball der Amerikaner zu sein. Eine Woche vor der Stichwahl zwischen Karsai und seinem Herausforderer Abdullah Abdullah werden die afghanischen Wähler noch einmal deutlich daran erinnert. Karin Schädler

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