PORTRÄT BERNARD TAPIE SKANDALUNTERNEHMER: : „Ich wurde betrogen und entehrt“

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Das Timing war perfekt. Nach 96 Stunden in Polizeigewahrsam wurde der französische Unternehmer Bernard Tapie wieder auf freien Fuß gesetzt. Zum selben Zeitpunkt brachte der Verlag Plon sein Buch mit dem Titel „Ein Staatsskandal, ja!“ heraus.

Von der Polizei wurde Tapie zu den Umständen des umstrittenen Schiedsspruchs verhört, der ihm 2008 in der Auseinandersetzung mit der ehemaligen staatlichen Bank Crédit Lyonnais um den Verkauf des Sportartikelherstellers Adidas eine Entschädigung von 403 Millionen Euro eingebracht hatte. Beschuldigt wurde er Ende vergangener Woche des „bandenmäßigen Betrugs“. In seinem Buch stellt sich Tapie nun als Opfer jener Affäre dar, die bis in die höchsten Kreise Frankreichs stinkt. Das Geld, das ihm damals zugestanden wurde, habe er nicht gestohlen. „Ich wurde betrogen, missbraucht und entehrt“, behauptet der wegen Wirtschaftsdelikten mehrfach vorbestrafte Tapie.

Die Richter verdächtigen noch vier weitere Personen des „bandenmäßigen Betrugs“ – unter ihnen Stéphane Richard, einen Freund des früheren Präsidenten Nicolas Sarkozy. Er war außerdem Kabinettsdirektor der damaligen Finanzministerin Christine Lagarde. Die heutige Direktorin des Internationalen Währungsfonds wurde ebenfalls von der Justiz vernommen, jedoch nur als Zeugin. Richard wirft ihr vor, über alles unterrichtet gewesen zu sein, sie beschuldigt ihn, ihre Unterschrift missbraucht zu haben.

Wenn es eine „Bande von Betrügern“ gab, wer war dann ihr Chef? Irgendjemand muss doch das Schiedsverfahren angeordnet haben, das den Steuerzahler so viel Geld gekostet hat. Die Blicke richten sich da auf den damaligen Hausherrn des Elysée-Palastes. Dass ein solcher Streit außerhalb des normalen Rechtsweges ohne die Anweisung des französischen Präsidenten geregelt werden konnte, ist kaum vorstellbar. Zwischen Sarkozy und Tapie bestand über Jahre ein kumpelhaftes Verhältnis. „Jetzt rollt der Rubel!“ soll Tapie nach Sarkozys Wahlsieg 2007 gejubelt haben.

Ob Sarkozy Ungemach zu befürchten hat, ist ungewiss. Für Amtshandlungen als Präsident genießt er Immunität. Etwas anderes wäre es, wenn er Tapie vor 2007 als Finanzminister Versprechungen gemacht hätte. Dagegen nimmt ihn Tapie in Schutz: „Wir haben uns oft getroffen und etwa über Europa geredet, vertraulich sind wir nicht geworden.“

Hans-Hagen Bremer

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