PORTRÄT BUD SPENCER SCHAUSPIELER: : „Vierzig bis fünfzig genügen“

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Nur 40 bis 50? Ja, genau so wenig Wörter braucht ein Cowboy zum Leben, hat Bud Spencer einmal gesagt – und er muss es wissen, schließlich hat er in Dutzenden Spaghettiwestern den Haudrauf gegeben. Bei einem Cowboy, der sein Leben erzählt, dürfen es freilich ein paar Wörtchen mehr sein. 240 Seiten fasst Bud Spencers Autobiografie „Mein Leben, meine Filme“ – und die deutschen Lebensliteraturfans schlagen derzeit so heftig zu, dass den Buchhändlern angst und bange wird. Naja, fast. Denn hier hört keiner die Englein im Himmel singen, wie dies regelmäßig die mit einem einzigen Faustschlag in den Boden gerammten Spencer-Opfer tun. Sondern es sind bloß die Kassen, die klingeln.

Von null auf eins in einer Woche: So hat „Plattfuß“ die Bestsellerlisten von „Spiegel“ und „Amazon“ gestürmt – und damit mal eben den zwar durchaus zur Abrechnung fähigen, vergleichsweise aber zartbesaiteten Helmut-Kohl-Sohn aus der publizistischen Pole Position rausgeboxt. Hey, ist das jetzt ein Paradigmenwechsel? Weg von den maulenden Melancholikern, die ihre Väter-Traumata verarbeiten, hin zu den Machos, die nach einer einzigen philosophischen Maxime leben: „Wenn man ein Problem hat – Scheiß drauf!“?

Mit nur einem Leben begnügt sich einer wie Bud Spencer allerdings nicht. Im ersten Leben hieß er Carlo Pedersoli, wurde 1929 in Neapel geboren und vertrat Italien durchaus drahtig 1952 in Helsinki und 1956 in Melbourne als Olympiaschwimmer. Im zweiten bis etwa sechsten Leben jobbte er auf dem Bau in Südamerika, war Jurist, Musikproduzent und Erfinder der Einwegzahnbürste, um im alles überstrahlenden Schauspielerleben Bud Spencer zu werden, zu sein und zu bleiben. Letzteres vor allem im Duett mit dem zehn Jahre jüngeren Terence Hill – in den sechziger bis achtziger Jahren in einer schieren Legion von Filmen, deren Titel entweder mit „Zwei ...“ oder „Vier Fäuste“ begannen, wenn sie nicht ausnahmsweise „Hügel der blutigen Stiefel“ hießen.

Doch halt, was heißt hier Schauspieler? „Ich habe immer nur mich selbst gespielt“, behauptet Carlo alias Bud, und wer’s glaubt, wird so selig wie seine Buch-Stenografen Lorenzo de Luca und David de Filippi sowie seine deutschen Guck- und nun auch Lese-Fans. 150 Kilo übrigens wog der Meister aller Kassen zu seinen besten Zeiten, und noch immer sind es 120. Runtergehungert per Diät? Unsinn. „Keine habe ich länger als einen Tag durchgehalten.“ Jan Schulz-Ojala

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