• PORTRÄT CHANG SONG TAEK NORDKOREANISCHER POLITIKER: „Ideologisch krank, faul und bequem“

PORTRÄT CHANG SONG TAEK NORDKOREANISCHER POLITIKER : „Ideologisch krank, faul und bequem“

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Dass Nordkoreas Medien über kritische Charaktere im Regierungsapparat berichten, ist bisher nicht üblich gewesen. Unbequeme Figuren wurden in der Regel hinter den Kulissen abgefertigt. Diese Personalie aber ist anders: Als Chang Song Taek vor wenigen Tagen aus dem Politbüro abgeführt wurde, waren die staatliche Nachrichtenagentur KNCA und das Fernsehen nah dran.

Chang, der Onkel von Nordkoreas Herrscher Kim Jong Un, ist in Ungnade gefallen. Er und seine Mitarbeiter hätten korrupte Geschäfte geführt, die „die Vorstellungskraft überschreiten“, heißt es in einem KCNA-Bericht. Zwei Schergen sollen bereits hingerichtet worden sein. Über das Schicksal Changs gibt es widersprüchliche Informationen. Der südkoreanische Sender Free North Korea Radio (FNK), der von nordkoreanischen Flüchtlingen betrieben wird, berichtete, auch dieser sei hingerichtet worden. FNK berief sich auf einen Informanten in der Arbeiterpartei. Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap verbreitete hingegen unter Berufung auf Regierungskreise in Seoul, es sei noch nicht klar, welche Strafe Chang erwarte.

Chang ist der Ehemann einer Schwester von Kim Jong Uns vor zwei Jahren verstorbenem Vater Kim Jong Il. Bisher galt der 1946 geborene Politiker als Strippenzieher und Mentor des noch jungen Führers Kim Jong Un. Neben Korruption wird Chang, der als wirtschaftlicher Reformer gilt, nun Drogenmissbrauch und „Vielweiberei“ vorgeworfen. Als „ideologisch krank, faul und bequem“ beschreibt ihn der KCNA- Bericht: „Er hat Drogen benutzt und verprasste Devisen in Kasinos, während er medizinische Behandlung im Ausland auf Kosten der Partei erhielt.“ Außerdem soll Chang durch Grüppchenbildung gegen die Interessen des Staates gearbeitet haben.

Beachtlich ist allemal die Inszenierung der Absetzung. „Chang wurde auf extrem formale Weise abgefertigt“, sagt der japanische Korea-Experte Hajime Izumi von der Universität Shizuoka. Zwar hatte Chang gute Verbindungen zu China, dem Nachbarn und einzigen Freund Nordkoreas. Aber in letzter Zeit soll er in dieser Richtung keine bahnbrechenden Ergebnisse mehr erzielt haben. Im wichtigen Verhältnis mit Südkorea galt Chang ohnehin nicht als Schlüsselfigur. Trotzdem könnte er den Nordkoreanern in Erinnerung bleiben. „Wenn irgendeines der kommenden politischen Vorhaben schiefgeht, könnte Chang als Sündenbock eingesetzt werden“, vermutet Experte Izumi.Felix Lill

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