• PORTRÄT CHRIS CHRISTIE GOUVERNEUR VON NEW JERSEY:: „Dies ist nicht die richtige Zeit für mich“

PORTRÄT CHRIS CHRISTIE GOUVERNEUR VON NEW JERSEY: : „Dies ist nicht die richtige Zeit für mich“

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Umworben wird er seit Tagen von höchster Parteiprominenz. Henry Kissinger und Nancy Reagan bedrängten Chris Christie, 2012 für das Amt des Präsidenten zu kandidieren. Republikanische Wähler bettelten bei Veranstaltungen mit dem 49-jährigen Gouverneur von New Jersey: „Bitte! Tun Sie’s für meine Tochter und meine Enkel!“ Christie wich aus. Er wisse nicht, ob er ausreichend vorbereitet sei. Falls er es ins Weiße Haus schaffe, könnte er zum ersten Mal im Leben zum Eingeständnis gezwungen sein: „Ich weiß nicht, was ich tun soll.“

Ihm ist bewusst, dass mehr gegen als für seine Kandidatur spricht. Der Hauptgrund, warum so viele Republikaner nach ihm rufen, ist ihre Unzufriedenheit mit den jetzigen Bewerbern. Sie wollen einen Superman, der Präsident Obama garantiert besiegt – und sind enttäuscht, wenn die Kandidaten Schwächen zeigen, wie jüngst Texas-Gouverneur Rick Perry, der vor nur sechs Wochen zum haushohen Favoriten aufgestiegen war. Christie muss fürchten, dass es ihm nicht anders ergeht. Aus der Ferne sieht seine Bilanz gut aus: ein Konservativer, der dank seiner Leutseligkeit in einem traditionell demokratischen Staat gewinnen kann. Viele lieben seine deftige Sprache: „Zur Hölle, bewegt eure Hintern weg vom Strand“, rief er in die Kameras, als Hurrikan „Irene“ auf die Küste zurollte. In den ersten anderthalb Jahren als Gouverneur hat er das Budgetdefizit ausgeglichen und sogar parallel Steuern gesenkt. Doch bei näherem Hinsehen werden die Parteirechten manches entdecken, was ihnen nicht gefällt. Christie ist für Waffenkontrolle sowie für einen toleranten Umgang mit Homosexuellen und illegalen Einwanderern.

Zudem stellen sich praktische Fragen. Kann Christie die Strapazen eines Präsidentschaftswahlkampfs körperlich durchstehen? Und wie will er so schnell eine Organisation in allen 50 Bundesstaaten aufbauen? In wenigen Wochen beginnen die Vorwahlen. Über sein Gewicht schweigt Christie. Er sagt, er sei „ziemlich fett“. Laut US-Medien gehört er zu den 5,7 Prozent der Amerikaner, die mehr als 130 Kilogramm wiegen und damit als „extrem beleibt“ gelten. Vor wenigen Wochen musste er nach einem Schwächeanfall ins Krankenhaus. Wenn überhaupt antreten, dann 2016, wäre die richtige Planung für Christie, sagen die Experten, die schon einmal einen Wahlkampf gemanagt haben. Am Dienstagabend hat er dann selbst Klarheit geschaffen: Er tritt 2012 nicht an. Christoph von Marschall

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