PORTRÄT CRISTINA KIRCHNER ARGENTINISCHE PRÄSIDENTIN: : „Mir geht es gut“

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Sechs Wochen musste Cristina Fernández de Kirchner wegen einer Hirnhautblutung pausieren. Am heutigen Montag wird die argentinische Präsidentin nach einer erfolgreichen Operation wieder an ihren Schreibtisch zurückkehren. Doch das Land hat sich während ihrer Rekonvaleszenz verändert. Kirchner ist nach der Niederlage ihrer Linksperonisten bei den Regionalwahlen geschwächt, die Wirtschaft wächst kaum noch und hat mit hohen Defiziten und Inflation zu kämpfen.

Zudem bringen sich Kirchners parteiinterne Gegner innerhalb der peronistischen Sammelbewegung in Stellung. Allen voran der ehemalige Vizepräsident und Gouverneur der Provinz Buenos Aires, Daniel Scioli, der wegen seiner eher konservativen Einstellung auch die Sympathien der unternehmerischen Elite des Landes genießt. Seine Beziehung zu Kirchner ist gespannt, offiziell aber hat er noch nicht mit ihr gebrochen.

Im Regierungslager rächt sich nun der extreme Personalismus: Weder Cristina noch ihr verstorbener Mann Nestor, der von 2003 bis 2007 regierte, haben einen Nachfolger aufgebaut. Pläne, die Verfassung zu ändern, um eine Wiederwahl Cristina Kirchners zu ermöglichen, sind nach der jüngsten Niederlage politisch nicht mehr machbar. Ist deshalb das Ende des „Kirchnerismus“ absehbar, wie die Medien plakativ schreiben?

Das mag verfrüht sein, gilt die 60-Jährige doch als kluge, machtbewusste Kämpferin, die schon einige schwere Prüfungen durchgestanden hat. Cristina, die sich in den vergangenen Jahren an der Macht nervlich aufgerieben habe, kehre ruhiger und gefasster ins Amt zurück und mit dem Vorsatz, mehr zu delegieren, schrieb die Zeitung „La Nacion“. Über ihren Sohn ließ Kirchner mitteilen, ihr gehe es gut. Und noch vor ihrer Rückkehr hat ihr der Oberste Gerichtshof bereits einen großen Triumph beschert, indem er ihr umstrittenes Gesetz zur Zerschlagung der Medien-Oligopole für verfassungsgemäß erklärte. Das Urteil ist der krönende Abschluss eines zehn Jahre dauernden Kampfes der Kirchners gegen die einflussreiche Clarín-Mediengruppe.

Für Cristina geht es nun darum, das politische Erbe der Ära Kirchner zu verteidigen. Und den eigenen Geldbeutel: die Kirchners, die sich in den 70ern beim Jurastudium kennenlernten und in der damals von der Militärdiktatur verbotenen linken peronistischen Jugend aktiv waren, brachten es dank der Politik zu einem Millionenvermögen. Sandra Weiss

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