• PORTRÄT DAGMAR DÖRING FDP-POLITIKERIN:: „Ich distanziere mich in aller Deutlichkeit“

PORTRÄT DAGMAR DÖRING FDP-POLITIKERIN: : „Ich distanziere mich in aller Deutlichkeit“

von
Foto: dpa
Foto: dpaFoto: dpa

Bis vergangenen Mittwoch war sie so etwas wie eine Hoffnung der Liberalen in Hessen: attraktiv, kommunikativ, schlau. Eine Frau, die sich traut, vor all den älteren Herren in der Landespartei auszusprechen, was die anderen Mädels nur dachten. Dass nämlich mehr Frauen nach oben kommen müssen. Dagmar Döring galt in der FDP als eine, die sich für Frauen eingesetzt hat. 53 Jahre alt, verheiratet, drei Kinder: Dagmar Döring wollte für die FDP in den Bundestag.

Seit dem Wochenende will man sie nur noch loswerden. Mit „Hochachtung“ wird in der Partei ihr Rückzug bewertet, reihenweise schreiben ihr die liberalen Frauen aus ganz Deutschland, es sei „selbstverständlich“, dass sie auch ihre Funktion in der Frauenorganisation aufgebe. Schließlich setzen sich die liberalen Frauen auch für den Schutz von Mädchen vor sexuellem Missbrauch ein. Und dann eine Pädophile? Das geht gar nicht.

Sollte man Döring nicht gerade deshalb anhören? Ja, sie hat sich Anfang der 80er Jahre in der „deutschen Studien- und Arbeitsgemeinschaft Pädophilie“ (DSAP) engagiert – aktiv, wie der Göttinger Wissenschaftler Franz Walter jetzt veröffentlicht hat. Nicht nur in einem einzigen Aufsatz („So viel Liebe und Zärtlichkeit – eine Frau liebt Kinder“) in der Zeitschrift „Pädophilie heute“. Allerdings war die junge Studentin an der FU in Berlin damals 19 und schon seit mehreren Jahren mit einem bekennenden Pädophilen, ihrem Gymnasiallehrer, liiert. Mit ihm kam sie aus Aachen ins seinerzeit freiheitliche Studentenmilieu von Berlin, ihm wollte sie „imponieren“. War Dagmar Döring nun Täterin oder vielleicht eher ein Opfer? Ein junges Mädchen, familiär behütet im bürgerlich-konservativen Aachen aufgewachsen, nach dem Abitur verführt von einem Mann, der mit erwachsenen Frauen offenbar nichts anfangen konnte. Und dann das liberal-lässige Berlin.

Döring hat sich intensiv für die Abschaffung des Straftatbestandes Pädophilie eingesetzt. Heute sagt sie, sie habe das alles verdrängt, es sei ihr „peinlich“. Allerdings muss die Erinnerung wach geworden sein, als der Pädophilenvorwurf die Grünen ins Rampenlicht zerrte. Das kann an ihr nicht vorbeigegangen sein, als sie sich um einen Listenplatz zur Bundestagswahl bewarb. Franz Walter wollte ihren Namen eigentlich gar nicht veröffentlichen. Er tat es erst, als er den Eindruck gewann, Frau Döring wollte die Veröffentlichung herauszögern – bis sie im Bundestag sitzt. Antje Sirleschtov

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben